Unicredit-Chef will mit Übernahmeangebot "Pattsituation aufbrechen"
Unicredit-CEO Andrea Orcel will mit seinem Übernahmeangebot für die Commerzbank Bewegung in die festgefahrene Situation bringen. Doch Politik und Management in Deutschland zeigen sich bislang skeptisch.
Unicredit-Chef Andrea Orcel sieht sein Übernahmeangebot für die Commerzbank als Mittel, um eine seit Langem festgefahrene Situation zu lösen und Gespräche zwischen den Beteiligten zu erzwingen. Der Manager versucht damit, eine Transaktion wiederzubeleben, die er seit mehr als 18 Monaten verfolgt.
"Der Hauptzweck dieses Angebots ist es, die Pattsituation zu durchbrechen", sagte Orcel am Mittwoch (18.3.) auf einer von Morgan Stanley veranstalteten Konferenz. Die aktuelle Lage sei "angespannt", und "der einzige Weg", sie zu lösen, bestehe in einem "konstruktiven direkten Austausch". Ziel sei ein "gemeinsamer Plan" aller Beteiligten.
Milliardenangebot mit begrenztem Aufschlag
Die Unicredit hatte am Montag (16.3.) ein 35 Milliarden Euro schweres Angebot für die Commerzbank vorgelegt, um den Einfluss auf das deutsche Institut auszubauen – trotz Widerstands aus Berlin.
Mit einem Aufschlag von lediglich vier Prozent auf den Schlusskurs vom Freitag (13.3.) zielt das Angebot darauf ab, die Beteiligung von Unicredit auf über 30 Prozent zu erhöhen, ohne sofort die vollständige Kontrolle zu übernehmen.
Das Vorgehen verschafft Orcel Spielraum, weitere Aktien am Markt zu erwerben, während Gespräche mit Commerzbank-Management und Bundesregierung angestrebt werden. Nach deutschem Recht löst das Überschreiten einer 30-Prozent-Schwelle ein Pflichtangebot für alle übrigen Aktien aus.
Drei mögliche Szenarien
"Die Situation, in der wir uns befinden, ist für alle suboptimal", sagte Orcel. Ziel sei es, alle Parteien zusammenzubringen, um Bedenken, Positionen und mögliche Wege zu klären. Das Angebot soll Anfang Mai starten und vier Wochen laufen, um ein Zeitfenster für Gespräche zu schaffen.
Orcel skizzierte drei mögliche Szenarien: Im Basisszenario würde Unicredit rund oder leicht über 30 Prozent der Anteile halten, ohne Kontrolle zu erlangen. Die finanziellen Auswirkungen blieben dabei weitgehend unverändert, ermöglichten jedoch eine aktivere Einflussnahme.
In einem zweiten Szenario könnte Unicredit genügend Anteile erwerben, um Kontrolle auszuüben und strategische Entscheidungen zu beeinflussen – ohne vollständige Übernahme. Im dritten Fall würden genügend Aktionäre ihre Anteile andienen, sodass eine komplette Übernahme zustande käme.
Orcel zeigte sich offen, die Angebotsbedingungen anzupassen, sofern Gespräche konstruktiv verlaufen und die Beteiligten einen gemeinsamen Plan unterstützen. Das Ergebnis des Angebots werde "im Juni oder etwas später" feststehen, so Orcel. Aufgrund regulatorischer Genehmigungen dürfte sich die Abwicklung allerdings verzögern.
Widerstand aus Berlin und Skepsis bei Commerzbank
Das Angebot stößt bereits auf erneuten Widerstand in Deutschland. Die Regierungskoalition von Bundeskanzler Friedrich Merz unterstütze weiterhin die Strategie der Commerzbank als unabhängiges Institut, erklärte ein Sprecher des Finanzministeriums.
Auch Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp äußerte Zweifel. Der gebotene Preis erscheine niedrig, zudem müsse sie zunächst das vollständige Angebot prüfen, um es bewerten zu können.
Italien signalisiert Zustimmung
Die italienische Regierung hat sich bislang nicht öffentlich positioniert. Einige Vertreter sehen den Vorstoß jedoch positiv, da er einem italienischen Institut die Expansion im Ausland erleichtern und die wirtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland vertiefen könnte, berichtet die Nachrichtenagentur "Bloomberg" unter Berufung auf Angaben mit der Angelegenheit vertrauter Personen. (mb/Bloomberg)















