Das im Europavergleich als streng geltende Umweltzeichen für Finanzprodukte (UZ-49) des Klimaschutzministeriums (BMK) fasst immer tiefer Fuß in der Finanzbranche. Im Fondsbereich ist es mit einem "grün verwaltetem Vermögen" von 15 Milliarden Euro ohnehin nicht mehr wegzudenken. Zwei fondsgebundene Lebensversicherungen (der Wiener Städtischen und der Merkur) haben die Zertifizierung auch schon geschafft und immerhin ein Green-Bond (Hypo Niederösterreich) trägt das Siegel. Nun gibt es auch bei den Giroprodukten Forschritte: Zur Raika Gunskirchen gesellt sich mit der Bank Austria erstmals eine Großbank, die ein Konto anbietet, das die Nachhaltigkeits-Vorgaben des Ministeriums erfüllt.

Die Unicredit Bank Austria verpflichtet sich bei dem unter dem Namen "Go-Green" vermarkteten Konto, nachhaltige Kredite in Höhe der Einlagen zu vergeben. Im Nicht-Verbraucher-Bereich sollen in einem ersten Schritt Erneuerbare-Energie-Projekte finanziert werden, insbesondere Wind-und Solarkraftanlagen. Später sollen "Grüne Gebäude", nachhaltiges Wassermanagement und sauberer Transport folgen, sagte Unicredit-Bank-Austria-Chef Robert Zadrazil bei einer Online-Pressekonferenz. Bei den Verbraucherkrediten will die Bank entsprechende Mittel für Gebäudesanierungen (verbesserter Energieausweis) oder neue Niedrigenergiehäuser zur Verfügung stellen, so wie Konsumkredite, die einen "eindeutigen" Nachweis eines nachhaltigen Verwendungszwecks bringen.

Vorerst reines Privatkundenkonto
Das Konto werde vorerst nur Privatkunden, nicht aber Geschäftskunden angeboten, sagte Zadrazil. Die Bankmitarbeiter würden generell zum Thema Nachhaltigkeit geschult, sagte ein Sprecher auf Nachfrage. Inhaber des grünen Kontos erhalten beim Kauf von ESG-Fonds einen Rabatt von 50 Prozent auf den Ausgabeaufschlag, so Zadrazil.

Versprochen wird, dass das papierlose Konto innert 15 Minuten online eröffnet werden kann. Es soll 2,98 Euro pro Monat kosten. Überweisungen, Dauerauftrag und Online-Kontoauszug seien inkludiert. Über weitere Kosten, etwa für Foyer- und Abhebedienstleistungen oder Wertpapierdepotgebühren, wurde nicht gesprochen.

Schnell abbaubares Material und neue Debit-Karte
Umstellungen gibt es auch bei den Karten, sowohl hinsichtlich des Materials als auch bei den Funktionen: Sämtliche Kartenvarianten des grünen Kontos – Prepaid, Debit, Kreditkarte – seien aus speziellem PVC, das schneller abgebaut wird. Schrittweise soll der gesamte Debitkartenbestand der Bank Austria (ca. 1,1 Millionen Karten) auf das neue Material umgestellt werden. Ab November wird außerdem generell in der Bank Austria eine neue Debit-Karte ausgerollt, die die bestehende Maestro-Karte ersetzt. Die Vorteile lägen in der internationalen Akzeptanz und der Möglichkeit, damit online zu zahlen, so die Bank.

Tangieren wird der verstärkte Fokus auch die Finanzberater, die an das Bank Austria Finanzservice (BAF) angeschlossen sind: Kunden erhalten bei Bau- und Wohnfinanzierungen Beratungsgutscheine bei kooperierenden Drittanbietern für Themen wie ökologische Bauweise und nachhaltige Grünraumgestaltung, so Zadrazil. Außerdem gibt es bei der Wohnraumfinanzierung einen 200-Euro-Gutschein bei Vorlage des Energieausweises zur Bestätigung der Nachhaltigkeitskriterien.

Hebelwirkung nutzen
"Wir haben als Banken eine massive Hebelwirkung, die weitaus größer ist als in anderen Branchen", sagte der Bank-Austria-Chef unter Verweis auf das nötige Erreichen der globalen Klimaziele. Bei einem Kreditvergabevolumen von 45 Milliarden Euro in Österreich bestehe ein enormer Lenkungseffekt.

Laut Andreas Tschulik, für das Umweltgütesiegel zuständiger Abteilungsleiter im BMK, gibt es derzeit 50 UZ-Lizenznehmer im Finanzbereich. Ihn freut, dass es zunehmend auch außerhalb der bereits sehr aktiven Fondsbranche Schritte gibt – etwa bei Anleihen, Spar- und Giroprodukten. Für die Vergabe des Siegels seien sowohl das Produkt als auch das Unternehmen ausschlaggebend. Um die Transparenz gewährleisten, müsse ein Unternehmen auf jeden Fall eine Nachhaltigkeitsberichterstattung leisten, so Tschulik.

Bei Giroprodukten gelten, wie für andere Finanzprodukte auch, zum einen Ausschlusskriterien wie Atomkraft, Rüstung oder fossile Brennstoffe. Daneben müssen aber ebenso Positivkriterien erfüllt werden, also geeignete Projekte finanziert werden. "Institute müssen erklären, wohin sie lenken. Wir orientieren uns hier an der Taxonomieverordnung der EU", so Tschulik. Diese gibt zahlreiche Kriterien von Gewässerschutz bis Abfallvermeidung vor. Außerdem müsse für solche Giro- oder Sparprodukte ein eigener Rechnungskreislauf bestehen, der nachvollziehbar mache, dass den Spareinlagen auch die entsprechenden nachhaltigen Projekte gegenüberstehen.

Rückzug aus fossilen Brennstoffen, Regenwaldabholzung
Zadrazil betonte, dass die Bank seit Jahren an der Verkleinerung des eigenen ökologischen Fußabdrucks arbeite. So beziehe man seit 2020 beinahe 100 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien. Auf dem Bank-Austria-Campus sei eine der größten Geothermie-Anlagen Europas zur Gewinnung von Erdwärme für Heizung und Kühlung errichtet worden.

Bis 2023 will die Unicredit gruppenweit außerdem aus Kohlebergbau und -kraftwerksprojekten aussteigen. Man nehme keine Finanzierungen von Projekten zur Förderung arktischen Öls oder von Fracking und Tiefsee-Öl und -Gas an. Unternehmen, die sich an der Abholzung des Regenwaldes beteiligen, stelle man keine Bankdienstleistungen mehr zur Verfügung. Außerdem sollen in der Bank ab 2023 keine Wegwerfkunststoffartikel mehr verwendet werden. (eml)