Die Aktionäre der Unicredit haben der Ausgabe neuer Aktien zur Finanzierung des Übernahmeangebots für die Commerzbank zugestimmt. Damit kommt Vorstandschef Andrea Orcel einem Deal näher, der die europäische Bankenlandschaft verändern könnte.

Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am Montag (4.5.) billigten die Aktionäre die Ausgabe von bis zu 470 Millionen neuen Aktien für eine mögliche Transaktion, wie aus einer Mitteilung hervorgeht. Über das tatsächliche Volumen der Kapitalerhöhung, den Ausgabepreis und weitere Details entscheidet der Verwaltungsrat.

Angebot unter Börsenwert
Die in Mailand ansässige Bank plant, für jede Commerzbank-Aktie 0,485 eigene Aktien anzubieten. Auf Basis des Schlusskurses vom Donnerstag (30.4.) entspricht dies einem Preis von rund 31,80 Euro je Aktie. Damit wurde die Commerzbank Ende April mit etwa 34,4 Milliarden Euro bewertet – knapp zehn Prozent unter ihrem Marktwert, wie Berechnungen von "Bloomberg News" zeigen.

Das Angebot soll am 5. Mai starten und über vier Wochen laufen. Der negative Aufschlag deutet darauf hin, dass viele Investoren ihre Aktien voraussichtlich nicht andienen werden.

Von Beginn an mit wenig bis gar keiner Prämie strukturiert, zielt das freiwillige Übernahmeangebot darauf ab, den Anteil der Unicredit knapp über 30 Prozent zu erhöhen. Dadurch könnte Orcel seine Beteiligung anschließend über den Markt weiter ausbauen, ohne ein Pflichtangebot vorlegen zu müssen.

Verschiedene Szenarien im Blick
Orcel erklärte, er könne die Konditionen "moderat" verbessern, sollte die Nachfrage der Investoren stark sein. Bleibt die Beteiligung unterhalb einer Kontrollmehrheit, dürfte die Unicredit mindestens zwölf Monate unter dieser Schwelle bleiben, um die Ausschüttungszusagen an die Aktionäre einzuhalten.

Der CEO skizzierte zudem mehrere Szenarien: Im Falle einer vollständigen Übernahme könnte der kombinierte Konzern laut Orcel bis 2030 einen Nettogewinn von rund 21 Milliarden Euro erzielen. Selbst ohne Kontrolle wären Verbesserungen möglich, sofern die Commerzbank die strategischen Vorschläge der Unicredit umsetzt.

Weiterhin Widerstand aus Deutschland
Commerzbank-CEO Bettina Orlopp lehnt das Vorgehen weiterhin ab – unterstützt von der deutschen Bundesregierung. In einem Interview im vergangenen Monat erklärte sie, zwischen ihr und Orcel gebe es "einige Meinungsverschiedenheiten über das mögliche künftige Geschäftsmodell", und bekräftigte ihr Bekenntnis zur eigenständigen Strategie der Commerzbank. (mb/Bloomberg)