Umfrage: Regulierungsdruck treibt Fondsmanager massiv ins Outsourcing
Regulatorischer Druck und Rekrutierungsprobleme setzen die Fondsbranche unter Zugzwang. Laut einer Carne-Group-Umfrage unter 200 Asset Managern wollen 41 Prozent ihr Outsourcing "dramatisch" ausweiten. Jeder Fünfte plant zudem binnen Jahresfrist einen Anbieterwechsel.
Eine globale Studie der Carne Group, einer der größten Third-Party-Manager mit Sitz in Dublin, zeigt, dass Fondsmanager weltweit ihre operativen Strukturen grundlegend umbauen und sich zunehmend von einem "Do-it-all-in-house"-Ansatz verabschieden. Befragt wurden 200 leitende Führungskräfte von Fondsmanagern in Europa und den USA, die zusammen 7,72 Billionen US-Dollar an Vermögenswerten in den unterschiedlichsten Assetklassen verwalten.
Im Zentrum dieser Entwicklung steht demnach eine wachsende Sorge vor der globalen Regulierungslandschaft. 89 Prozent der befragten Fondsmanager gehen davon aus, dass es in den kommenden zwei Jahren deutlich schwieriger wird, regulatorische Anforderungen zu bewältigen. Dieses Bewusstsein löst laut Studie eine "Flucht in Expertise" aus, da viele Häuser erkennen, dass interne Ressourcen nicht mehr ausreichen, um mit sich wandelnden Transparenz- und Berichtspflichten Schritt zu halten. Gleichzeitig macht sich ein akuter Fachkräftemangel bemerkbar: 35 Prozent der Befragten nennen Schwierigkeiten bei der Rekrutierung geeigneten Personals als größte Herausforderung, gefolgt von der wachsenden Regulierungslast, die 21 Prozent als wichtigsten Treiber nennen.
Branche am Wendepunkt
"Unsere Untersuchung zeigt, dass sich Fondsmanager zunehmend bewusst sind, dass es deutlich schwieriger wird, regulatorische Vorgaben einzuhalten und gleichzeitig Kosten zu managen und Performance zu erzielen", kommentiert Des Fullam, Leiter der Regulierungssparte bei der Carne Group, die Entwicklung. Die wachsende Regulierungslast sei ein zentraler Treiber des strukturellen Wandels. Durch den Rückgriff auf die Expertise von Drittanbietern würden Fondsmanager nicht nur administrative Aufgaben auslagern, sondern das Risko für ihr Geschäftsmodell insgesamt verringern.
Die Studie belegt eine deutliche Beschleunigung des Auslagerungstrends: 70 Prozent der befragten Fondsmanager wollen ihre Nutzung von Drittanbietern binnen der kommenden zwölf Monate ausbauen, wobei 41 Prozent sogar eine "dramatische" Zunahme planen. Auf Sicht von fünf Jahren fällt das Bild noch deutlicher aus: 96 Prozent der Befragten erwarten eine steigende Nutzung von Drittanbietern, mehr als ein Drittel (37 Prozent) rechnet mit einem dramatischen Wandel in der Art, wie ihre Fondsmanagement-Geschäfte unterstützt werden.
Anbieterwechsel wird zur Normalität
Die Untersuchung offenbart zudem einen zunehmend kompetitiven und volatilen Markt für Drittanbieter-Dienstleistungen. Die Zeiten fester "Provider-für-immer"-Beziehungen seien vorbei. Ein Fünftel der Manager (20 Prozent) bestätigt, binnen eines Jahres zu einem alternativen Drittanbieter wechseln zu wollen. Als häufigster Auslöser für einen solchen Wechsel gilt dabei die Fähigkeit, ein breiteres Dienstleistungsspektrum anzubieten, gefolgt vom Wunsch nach höheren Servicelevels und besseren technologischen Fähigkeiten. Interessant dabei: Kosten und Preis werden nur von 13 Prozent der Manager als primärer Wechselgrund genannt, was als ein Hinweis gewertet wird, dass Mehrwert und Servicetiefe heute wichtiger sind als reiner Preiswettbewerb.
Neben operativen Funktionen rückt zunehmend die Auslagerung des Fondsmanagements selbst in den Fokus. Über die nächsten drei Jahre erwarten 93 Prozent der Befragten eine Zunahme des Outsourcings ganzer Fondsmanagement-Einheiten an Dritte. Die Motivation dahinter sei rein strategisch: Asset Manager betrachten sogenannte Third-Party-Man-Cos nicht mehr nur als Compliance-Instrument, sondern als Wachstumswerkzeug, das den Marktzugang, das Timing neuer Produkte und die Stärkung der fiduziarischen Unabhängigkeit ermöglicht.
Durch die Nutzung externer Man-Cos könnten Asset Manager den langwierigen und kostspieligen Aufbau eigener regulierter Einheiten in mehreren Jurisdiktionen umgehen und Kapital sowie neue Strategien deutlich agiler einsetzen, fasst Fullam die strategische Bedeutung zusammen und ergänzt: "Die Daten sind eindeutig: Die Komplexität der globalen Finanzlandschaft hat die internen Kapazitäten vieler traditioneller Häuser überholt, und für viele ist die Partnerschaft mit spezialisierten Drittanbietern die Lösung. Wir treten in eine Ära ein, in der die Qualität des Drittanbieter-Ökosystems eines Managers ebenso wichtig sein wird wie seine Anlageperformance." (hh)













