Die gelbe Post geht künftig im Bankgeschäft neue – eigenständigere – Wege: Nach rund einem Jahr der Partnersuche sorgt das Unternehmen mit der Ankündigung eines Banken-Joint-Ventures für eine Überraschung. Gemeinsam mit der deutschen Fintech Group AG, Mutter des Online-Brokers Flatex, wird die Post ein eigenes Finanzinstitut gründen, an dem beide Unternehmen je zu 50 Prozent beteiligt sind. Die neue Bank, für die noch ein Name gefunden werden muss, soll von vier Vorständen gelenkt werden; drei davon aus der Fintech Group, einer aus der Post, wie Post-Sprecher Michael Homola zu FONDS professionell ONLINE sagte.

Die Post müsse nun – entgegen der ursprünglichen Pläne – eine eigene Banklizenz beantragen, wie der Sprecher sagte. Die Fintech Group besitze jedenfalls keine Banklizenz in Österreich, wie der Post-Sprecher erklärt; sie ist seit acht Jahren mit dem Onlinebroker Flatex in Österreich auf dem Markt. Die rund 30.000 Flatex-Kunden sollen in das Joint-Venture eingebracht werden. Die Aufsichtsbehörden müssen noch zustimmen.

IT von FinTech Group, Vertrieb von der Post
Ziel ist es, gemeinsam klassische Zahlungsverkehrsdienste vom Girokonto bis zur Kreditkarte und später auch Kredite anzubieten, wie Homola sagt. Dabei soll es wie bisher intensivere Beratung in den rund 420 eigenständigen Postfilialen geben und ein eingeschränkteres Produktsortiment – etwa einfache Sparbuch-Ein- und Auszahlungen – auch bei den rund 1.350 Postpartnern. Der Vertrag läuft über zehn Jahre.

Die IT-Dienstleistungen kommen von der Fintech Group, die Vertriebsdienstleistungen und die Infrastruktur von der Österreichischen Post. Sie will die Mitarbeiter für die Bank stellen. Rund 300 werden aus der Kooperation mit der Bawag PSK frei.

200 Millionen Eigenkapital und Beteiligung
Das neue Institut soll in den nächsten Jahren mit einem Eigenkapital von über 200 Millionen Euro ausgestattet werden, das von beiden Seiten zur Hälfte zur Verfügung gestellt wird. Die Post wird sich zudem mit sieben Prozent an der börsenotierten Fintech Group beteiligen und einen Sitz im Aufsichtsrat der Gesellschaft einnehmen. Die Fintech Group wird für diesen Anteilsverkauf 1.225.761 neue Aktien unter Ausschluss des Bezugsrechts der Aktionäre im Gesamtausgabebetrag von rund 35 Millionen Euro ausgeben.

Die Post war mit mehreren Banken im Gespräch, nachdem die Bawag PSK rund um ihren Börsegang im Herbst 2017 nach rund zwei Jahrzehnten und einem Streit ums Geld und Filialnetz, die Scheidung einreichte. Ende 2019 werden beide endgültig getrennte Wege gehen. Verhandlungen der Post mit den österreichischen Volksbanken scheiterten am Widerstand einzelner Bundesländer. Gespräche mit der Austrian Anadi Bank waren dem Vernehmen nach einigermaßen weit fortgeschritten, hätten aber "nicht das gewünschte Ergebnis" gebracht, wie ein Anadi-Sprecher zu FONDS professionell ohne weitere Angaben sagte. (eml)