Die Schwierigkeiten bei der Austrian Anadi Bank gipfeln im Abgang des Vorstandsvorsitzenden. Martin Rauchenwald, muss das Kreditinstitut verlassen. Er sei "aufgrund bestehender Interessenskonflikte von seinen Aufgaben als CEO entbunden" worden, teilt die Bank mit. Eine nähere Erklärung gibt es nicht. Die Sprache lässt allerdings keinen Zweifel, dass man sich im Unfrieden getrennt hat. Wünsche für die weitere Karriere findet man in der Mitteilung nicht. Rauchenwald hatte sein Amt erst am 1. Jänner 2020 angetreten. Sein Vorgänger Christoph Raninger wechselte zur Wiener Privatbank.

Verlustwarnung für 2019er-Ergebnis
Diesen März hatte die Bank eine Verlustwarnung für das Jahr 2019 ausgesprochen: Im vorläufigen Jahresabschluss sei unter dem Strich ein "wesentlich negatives" Jahresergebnis gestanden, wie die Bank damals mitteilte. Es war von einem zusätzlichen, nicht näher bezifferten, Wertberichtigungsbedarf die Rede. Ein Jahresbericht wurde noch nicht veröffentlicht. Von außen betrachtet, war die Verlustwarnung eine Überraschung, denn im ersten Halbjahr 2019 war von Wachstum und "Erfolgskurs" die Rede – eine Aussendung dazu war von der Bank noch im Jänner 2020 bekräftigt worden.

Interimistisch übernimmt nun Retailvorstand GaneshKumar Krishnamoorthi den Vorsitz. Die Suche eines neuen CEOs sei eingeleitet worden, heißt es. Unterdessen wurde der bisherige Risikovorstand Franz Reif zum Vorstand für das operative Geschäft bestellt. Ferdinand Wenzl, Leiter der Risikoabteilung, steigt indes in den Vorstand auf und wird neuer Chief Risk Officer.

Kapitalzuschuss in Aussicht gestellt
Angesichts der Turbulenzen sahen sich die indischen Bankbesitzer genötigt, ihre Hilfe in Aussicht zu stellen. Sanjeev Kanoria, Eigentümer und stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates, erklärte, er unterstütze Bank, Management und Mitarbeiter. Er sei "entschlossen, der Bank frisches Kapital zuzuführen, sollte sie dieses brauchen".

Die Bank hatte per Ende 2018 eine Bilanzsumme von 3,1 Milliarden Euro, bei einem EGT in Höhe von rund sieben Millionen Euro. Die harte Kernkapitalquote (CET1) wurde mit 14 Prozent angegeben. (eml)