Augen auf beim Aktienkauf: Der Satz gilt generell, doch in Zeiten von Corona ganz speziell. Die Krise bringt an den Börsen viele Verlierer hervor – aber auch einige wenige Gewinner. Zu denen zählt Zoom Video Communications, ein Anbieter von Softwarelösungen für Videokonferenzen. Durch den Lockdown, den viele Länder während der ersten Viruswelle für ihre Bürger verhängten, ist die Zahl virtueller Zusammenkünfte massiv gestiegen. Gut für Zoom: Der Aktienkurs des Unternehmens hat seit Jahresbeginn um mehr als 140 Prozent zugelegt, schreibt die "Neue Zürcher Zeitung" (NZZ).

Ein anderes Unternehmen konnte in Zooms Windschatten ebenfalls einen kräftigen Wertzuwachs erzielen. Einen deutlich kräftigeren sogar: Ende 2019 wurden seine Aktien für gerade einmal 1,05 US-Dollar gehandelt, waren also nicht weit entfernt vom Pennystock-Niveau. Ende März notierten sie dann vorübergehend bei 40 US-Dollar. Das entspricht einem Anstieg um traumhafte 3.700 Prozent. 

Erst hat es "zoom", dann hat es "kawumm" gemacht
Das Kursplus erscheint umso fantastischer, weil die in den USA registrierte Firma mit Hauptsitz in Peking laut Bloomberg seit Jahren keine Gewinne mehr ausweist und auch ansonsten mit Basis-Informationen eher sparsam umgeht. Die letzte Angabe zur Mitarbeiterzahl stammt von 2013. Damals waren in dem Unternehmen, das laut NZZ einst wohl elektronische Komponenten für Mobiltelefone fertigte, nur zehn Personen beschäftigt.

Ein Blick auf den Namen der Firma deutet an, wo das Kursfeuerwerk herrühren könnte: Zoom Technologies. Ihr Börsenticker in den USA, wo Aktien häufig nur anhand dieser Abkürzung gehandelt werden, lüftet den Schleier dann endgültig: "ZOOM".

Viele Anleger, die in das scheintote Unternehmen aus Delaware investiert haben, wollten wohl eigentlich Aktien des Videokonferenzen-Anbieters aus Kalifornien erwerben – Ticker-Kürzel: "ZM". Statt in den Krisenprofiteur mit 46 Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung setzten sie aber auf eine völlig unbekannte Firma mit einem Börsenwert von kaum zwei Millionen US-Dollar. Die Verwechslung ist mittlerweile aufgeklärt, mit unangenehmen Folgen für Zoom Technologies: Ihre Aktien sind heute nur noch 62 US-Cents wert. "So mancher Investor musste einiges an Lehrgeld zahlen", kommentiert die NZZ.

Ein Fall für die Börsenaufsicht
Es war nicht das erste Mal, dass Anleger die "Zoom-Zwillinge" verwechselten. Kurz vor dem Börsengang von Zoom Video Communications im April 2019 stieg plötzlich auch der Aktienkurs von Zoom Technologies. Im Sommer vergangenen Jahres passierte das Gleiche noch einmal. 

Klar ist: Weitere Irrtümer dieser Art wird es nicht geben  – zumindest, was die Zweifach-Zooms betrifft. Die US-Börsenaufsicht SEC hat nicht nur den Handel mit der "falschen" Aktie Ende März für mehr als zwei Wochen ausgesetzt. Sie hat dem Winz-Unternehmen aus Delaware auch ein neues Ticker-Kürzel verpasst. Mit der Kennung "ZTNO" hält sich die Namensähnlichkeit mit dem "anderen" Zoom ("ZM") nun in Grenzen.

Emaille oder E-mail?
Durcheinander dieser Art sind übrigens kein Phänomen der Corona-Ära. Ähnliches gibt es immer wieder. Prominentester Kandidat dafür ist laut NZZ der Autobauer Ford: Dessen Kürzel an den US-Börsen lautet simpel "F". Doch es gibt auch den Ticker "FORD". Dieser gehört allerdings zum Produktdesign-Spezialisten Forward Industries. Und es muss nicht immer das Ticker-Symbol sein, das Anleger zu einem ungewollten Investment verleitet. Manchmal genügt schon der Firmenname: Im Oktober 2013 schossen die Aktien des damals seit längerer Zeit nicht mehr aktiv tätigen Elektronik-Einzelhändlers Tweeter Home Entertainment um 1.400 Prozent nach oben, berichtet die NZZ. Der Hintergrund: Tags zuvor hatte der Kurznachrichtendienst Twitter seine Pläne für einen milliardenschweren Börsengang angekündigt.

Vergleichbares kennt man auch aus Europa: Als in den 1990er Jahren die erste Internetbegeisterung bei vielen Anlegern ausbrach, gelangte der österreichische Industriebetrieb Austria Email AG zu einer unverdienten Fan-Gemeinde. Die Aktie des börsennotierten Traditionsunternehmen, das schon 1972 in "Austria Email“ umbenannt worden war, weil unter anderem auch emaillierte Produkte wie Geschirr oder Straßenschilder hergestellt wurden, sah plötzlich steigende Kurse. Der Grund: Internationale Investoren hatten hinter "Email“ wohl Geschäfte im boomenden Segment "E-Mail“ vermutet und das Papier scheinbar ohne weitere Recherche einfach aufgrund des Firmennamens kauften. (fp/ps)