Chinesische Quant-Hedgefonds locken verstärkt US-Studierende aus Natur- und Ingenieurwissenschaften an, die von Visabeschränkungen und Sparmaßnahmen amerikanischer Universitäten betroffen sind. Firmen wie Mingshi Investment Management oder Shanghai Goku Technologies rekrutieren gezielt junge Talente, deren akademische Laufbahn in den USA ins Wanken gerät.

Mingshi etwa startete ein spezielles Programm für Doktoranden, die ihr Studium in den USA abbrechen müssen, und bietet auch Praktika für Absolventen chinesischer Hochschulen an, deren Pläne für ein Auslandsstudium ins Leere laufen. "Angesichts ihrer echten Herausforderungen ist es unsere soziale Verantwortung, diesen Studenten einen speziellen Rekrutierungskanal anzubieten", schreibt das Unternehmen.

Quant-Fonds wittern ihre Chance
Die Fonds setzen auf KI-gesteuerte Strategien und arbeiten mit riesigen Datenmengen. Der Bedarf an mathematisch und technisch versierten Köpfen ist entsprechend hoch. Carrie Cheung von Principle Partners bestätigt: "Der Kampf um Talente ist weltweit intensiv – und chinesische Quant-Fonds mischen jetzt ernsthaft mit."

Shanghai Goku Technologies, laut eigenen Angaben weltweit führend bei KI-gesteuerten Handelssignalen, beschäftigt bereits mehrere ehemalige US-Forscher. "Mehr als 95 Prozent unserer Signale werden von KI generiert – im globalen Vergleich ein Spitzenwert", sagt Ken Chung von Goku.

Das bessere Angebot kommt aus dem Osten
Neben attraktiven Gehältern – oft über zehn Millionen Yuan jährlich – punkten chinesische Firmen mit wachsendem Selbstbewusstsein. "Die ehrgeizigeren und selbstbewussteren Kandidaten entscheiden sich eher für einheimische Unternehmen wie QuantPi", sagt CEO Sun Lin. Firmen wie Goku und Mingshi eröffnen zudem Büros in Singapur oder Hongkong, um internationale Talente auch außerhalb des chinesischen Festlands einsetzen zu können.

China bildet die KI-Elite von morgen
Ein struktureller Vorteil: Laut Georgetown University wird China 2025 mehr als 77.000 MINT-Doktoranden ausbilden – fast doppelt so viele wie die USA, und ohne die internationalen Studierenden sogar mehr als drei Mal so viele. Das stärkt langfristig Chinas Technologiestandort – und könnte das Kräfteverhältnis in der globalen Finanzwelt grundlegend verschieben. (mb/Bloomberg)