Trotz Hoffnungsschimmer in Gold: EZB mit drittem Verlustjahr in Folge
Die EZB schreibt weiter rote Zahlen, wenn auch deutlich weniger als im Vorjahr. Hoffnung macht die Aussicht auf eine Rückkehr in die Gewinnzone – abhängig von Zinsen, Wechselkursen und Bilanzstruktur.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat das dritte Jahr in Folge einen Verlust verbucht – die längste Negativserie seit ihrer Gründung. Hintergrund sind weiterhin die Folgen der geldpolitischen Krisenmaßnahmen der vergangenen Jahre.
Das Defizit für 2025 belief sich auf 1,3 Milliarden Euro, wie die EZB am Donnerstag (26.2.) mitteilte. Damit fiel der Fehlbetrag deutlich geringer aus als der Rekordverlust von 7,9 Milliarden Euro im Vorjahr.

Hoffnung auf Rückkehr in die Gewinnzone
Die Notenbank erwartet, in diesem oder im kommenden Jahr wieder in die Gewinnzone zurückzukehren. "Dies hängt jedoch vom künftigen Niveau der Leitzinsen der EZB und der Wechselkurse sowie vom Volumen und der Zusammensetzung der Bilanz der EZB ab", heißt es in der Mitteilung.
Wie andere Zentralbanken zahlt auch die EZB mehr Zinsen, als sie aus den Anleihen erzielt, die sie in früheren Krisenzeiten bei niedrigen Kreditkosten aufgekauft hat. Dieses Ungleichgewicht besteht weiterhin, hat sich jedoch abgeschwächt, nachdem die Währungshüter die Leitzinsen von vier auf zwei Prozent gesenkt haben und die Bilanzsumme geschrumpft ist.
Debatte über künftige Anleihekäufe
Die EZB bekräftigte, dass sie unabhängig von Verlusten handlungsfähig bleibe. Einzelne Ratsmitglieder hatten jedoch mehr Zurückhaltung bei künftigen Anleihekäufen angemahnt. Zudem gab es Spekulationen, Zentralbanken könnten irgendwann staatliche Kapitalzuführungen benötigen – was ihre Unabhängigkeit infrage stellen würde.
Im Rahmen der im vergangenen Jahr abgeschlossenen Strategieüberprüfung behielt die EZB sämtliche Instrumente – einschließlich quantitativer Lockerung – bei, ohne festzulegen, unter welchen Bedingungen sie eingesetzt werden sollten. Kommentare im Bericht sowie Äußerungen einzelner Notenbanker deuten jedoch darauf hin, dass quantitative Lockerungsmaßnahmen künftig zurückhaltender eingesetzt werden könnten, auch wegen Nebenwirkungen wie Verlusten oder Vermögenspreisblasen.
Goldgewinne, Währungsrisiken
Der Fehlbetrag für 2025 bleibt – wie in den Vorjahren – in der EZB-Bilanz stehen und wird mit künftigen Gewinnen verrechnet, teilte die Notenbank mit. Eine Gewinnausschüttung an die nationalen Zentralbanken erfolgt daher nicht.
Starke Bewegungen bei Gold- und Wechselkursen wirkten sich ebenfalls auf das Ergebnis aus. Im Zuge der Goldpreis-Rally stieg der in Euro gerechnete Wert der Goldbestände um 46 Prozent auf knapp 60 Milliarden Euro. Die Bestände an US-Dollar, japanischem Yen und chinesischem Renminbi sanken hingegen, vor allem infolge der Abwertung von Dollar und Yen.
Während die EZB noch über einige Möglichkeiten verfügt, um sich gegen eine weitere Dollar-Schwäche abzusichern, sind ihre Puffer gegen zusätzliche Yen-Abwertungen vollständig aufgebraucht. Setzt sich die Yen-Schwäche fort, könnte dies zu weiteren Verlusten führen.
Gewinne aus Dollar-Verkäufen
Im Zuge einer turnusmäßigen Anpassung der Zusammensetzung ihrer Währungsreserven verkaufte die EZB im ersten Quartal 2025 Dollar und realisierte dabei Gewinne von 909 Millionen Euro. Die Erlöse wurden vollständig in Yen reinvestiert. (mb/Bloomberg)













