Tiktok drängt ins Finanzgeschäft – und prüft Geldtransfers via Chat
Die Social-Media Plattform Tiktok könnte ihr Angebot um eine weitere Bezahlfunktion ergänzen: Sie arbeitet an einer Funktion, mit der Nutzer einander direkt Geld senden könnten. Technische Hinweise darauf finden sich bereits in der US-Version der App.
Tiktok arbeitet daran, seinen Direktnachrichten eine Bezahlfunktion hinzuzufügen. Nutzer könnten damit künftig Zahlungen direkt innerhalb der Social-Media-App abwickeln.
Für die Transaktionen soll im Falle einer Einführung Tiktok Pay zum Einsatz kommen. Dieser Dienst ist bereits in Südostasien verfügbar. Hinweise auf die neue Funktion wurden in verborgenem Code der aktuellen Version der US-amerikanischen iPhone-App von Tiktok entdeckt.
Zahlungen direkt über Nachrichten
Der Code deutet darauf hin, dass Empfänger ihnen gesendete Zahlungen vor Ablauf einer Frist per Fingertipp annehmen können. Absender könnten über Push-Benachrichtigungen oder ihren Posteingang über den Status der Transaktion informiert werden. Zudem gibt es Hinweise auf die Möglichkeit, einer Zahlung eine Nachricht hinzuzufügen – ähnlich den Begleittexten bei Paypal.
Ein Tiktok-Sprecher erklärte, die Funktion werde derzeit in keinem Markt getestet, was darauf hindeutet, dass sie sich noch in einem frühen Entwicklungsstadium befindet. Tiktok Pay ist aktuell nur in Vietnam, Malaysia und Thailand verfügbar und wird dort zur Bezahlung von Einkäufen über Tiktok Shop genutzt. Auch wenn noch nicht sicher ist, dass das Unternehmen die Peer-to-Peer-Zahlungsfunktion letztlich einführen wird: Die Entwicklungsarbeiten daran zeigen, dass der globale Tiktok-Eigentümer Bytedance einen solchen Schritt prüft.
Social-Media-Plattformen drängen in den Handel
Social-Media-Plattformen weiten ihre Geschäftsmodelle auf den Handel aus, um mehr Verbraucherdaten und -ausgaben für sich zu gewinnen. Das in Peking ansässige Unternehmen Bytedance, das die globale Tiktok-Plattform und mehrere wichtige Teile des US-Geschäfts von Tiktok betreibt, drängt seit Jahren in den Fintech-Bereich. Dazu baut das Unternehmen eigene Zahlungslösungen auf und investiert in diese, um die Ausgaben und das Engagement innerhalb der Video-App zu steigern.
Verbraucher weltweit haben in diesem Jahr bislang mehr als 2,9 Milliarden US-Dollar auf Tiktok ausgegeben. Seit 2022 ist Tiktok laut dem Marktforschungsunternehmen Sensor Tower weltweit die führende App nach Umsätzen aus In-App-Käufen. In den USA geben Nutzer auf Tiktok mehr aus als auf Youtube, Facebook und Instagram.
Tiktok will Zahlungen im eigenen Ökosystem halten
Über die populäre E-Commerce-Plattform Tiktok Shop können Nutzer beispielsweise digitale Münzen kaufen, um virtuelle Geschenke an Creator und Livestream-Hosts zu senden, die letztlich in Bargeld umgewandelt werden können. Viele Nutzer geben zudem verschiedene Zahlungsmethoden in ihren Tiktok-Profilen an, damit Kontakte aus der App ihnen außerhalb der Plattform Geld schicken können.
Eine Funktion, mit der Nutzer einander direkt über Direktnachrichten oder generell innerhalb der App bezahlen könnten, würde Tiktok dabei helfen, die Nutzer im eigenen Ökosystem zu halten und einen größeren Teil der Wertschöpfung aus diesen Transaktionen abzuschöpfen.
Bytedance baut Finanzdienstleistungsgeschäft aus
Sowohl Tiktok als auch Bytedance suchen laut öffentlichen Stellenausschreibungen in den USA und anderen Ländern Mitarbeiter für Positionen mit Schwerpunkt auf Finanzdienstleistungsprodukten. Mehrere Bytedance-Führungskräfte, die am Ausbau des Zahlungsgeschäfts beteiligt sind, waren zuvor bei JP Morgan Chase tätig. Die US-Bank hatte in der Vergangenheit mit dem chinesischen Unternehmen zusammengearbeitet, um beim Aufbau seiner Zahlungsinfrastruktur zu helfen – trotz damaliger Bedenken hochrangiger US-Regierungsvertreter hinsichtlich der nationalen Sicherheit.
Anfang dieses Jahres schlossen Tiktok und Bytedance eine Vereinbarung ab, Teile ihres US-Geschäfts an amerikanische Investoren zu übertragen. Die Vereinbarung sollte ein landesweites Verbot verhindern und Bedenken hinsichtlich der nationalen Sicherheit wegen einer chinesischen App ausräumen, die von mehr als der Hälfte der US-Bevölkerung genutzt wird. In diesem Monat hob die Trump-Regierung Beschränkungen für die Nutzung von Tiktok auf Geräten der US-Bundesregierung auf und kam zu dem Schluss, dass die App kein Sicherheitsrisiko mehr darstellt.
Zahlungsfunktionen sorgen auch für Kritik
Einige der Zahlungsfunktionen von Tiktok standen allerdings im Mittelpunkt von Klagen mehrerer Generalstaatsanwälte von US-Bundesstaaten. Darin wird behauptet, die Funktionen hätten zur sexuellen und finanziellen Ausbeutung von Kindern geführt und in einigen Fällen gegen Vorschriften für Geldtransfers verstoßen oder Geldwäsche erleichtert.
Tiktok ist mit seinem Vorstoß in den Social Commerce nicht allein. Elon Musk machte im vergangenen Jahr Fortschritte dabei, X (ehemals Twitter) in eine "Everything App" mit Finanzdienstleistungen zu verwandeln. Einige Creator auf X konnten neue Funktionen wie "X Money" bereits testen, um einander Zahlungen zu senden. (mb/Bloomberg)















