Tausende geschädigte Anleger können ab morgen, Dienstag, mehr über die Vorgänge bei der im Jahr 2009 pleite gegangenen oberösterreichischen Anlagefirma Globe Invest erfahren. Dann startet am Landesgericht Wien der Prozess gegen Ex-Firmenchef Bernhard Wolschlager und fünf Mitangeklagte, berichtet die Tageszeitung "Kurier". Die Anklage lautet demnach auf gewerbsmäßigen Betrug, Untreue und betrügerische Krida. Es drohen bis zu zehn Jahre Haft. Die Angeklagten sollen ein "betrügerisches Schneeballsystem" betrieben haben.

Bereits 2006 pleite?
Die Investmentfirma Globe Invest und ihre Nebengesellschaften hatten Immobilien-Anleihen und Genussrechte an private Anleger verkauft. Im März 2009 kam es offiziell zur Pleite, was auf die Finanzkrise zurückgeführt wurde. Laut Kurier geht ein Gutachten aber davon aus, dass Globe Invest schon im Jahr 2006, als die Finanzmärkte noch prächtig liefen, zahlungsunfähig war. Dies habe die Firma aber mit Buchhaltungstricks verschleiert. Die ehemalige Führung des Unternehmens bestreitet die Vorwürfe laut den Angaben.

In den vergangenen Jahren hatten mehrere Medien eine Zahl von rund 5.000 geschädigten Anlegern genannt. Der Kurier berichtet nun von über 3.000 Personen und einem Schaden von rund 30 Millionen Euro. Mehr Licht in die Sache werden wohl die Prozesstage bringen.

Massive Verluste und fragwürdige Rabatte
Mitangeklagt ist unter anderem ein Händler der eigens gegründeten Trading-Firma GATF (Vereinigte Arabische Emirate). Der Trader, ein Österreicher, soll gemäß der im Kurier zu sehenden Teile der Anklageschrift allein im Jahr 2006 einen Verlust von 6,5 Millionen Euro eingefahren haben, bei 6,1 Millionen Euro Trading-Kosten. Weiters ist geht die Anklage laut dem Bericht davon aus, dass GATF mehrere Millionen Euro an Anlagegeldern genommen hat, um überhöhte Brokergebühren an eine Bank zu zahlen, die davon wiederum Teile als "Rabatte" an eine Wohlschlager nahe stehende Firma weitergeleitet haben soll. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Warum es fast zehn Jahre bis zum Prozessbeginn dauerte, bleibt vorerst ungeklärt. Bereits im Jahr 2010 hatten die Oberösterreichischen Nachrichten berichtet, die Staatsanwaltschaft ermittle "mit Hochdruck". Etwas später hatte die Staatsanwaltschaft Wien darauf hingewiesen, dass ihre Arbeit aufgrund von Rechtshilfeersuchen, Kontoöffnungen und gerichtlicher Bewilligungen für die Einsicht von Unterlagen ausgebremst werde. (eml)