Nach der Übernahme des AWD durch den Schweizer Versicherungskonzern Swiss Life im Jahr 2007 kam es auch bei der österreichischen Tochter zu einer umfangreichen Umstrukturierung. Das Unternehmen wurde in Swiss Life Select umbenannt, Probleme mit Altlasten wurden in einem langwierigen Prozess sukzessiv gelöst. Mittlerweile hat sich der Vertrieb unter dem neuen Eigentümer neu erfunden und setzt dabei zunehmend auf das gehobene Kundensegment.


Einige Zitate aus dem Interview mit Christoph Obererlacher finden Leser in der Bilderstrecke oben. Das komplette Interview gibt’s zum Nachlesen in der aktuellen Magazin-Ausgabe 1/2020 von FONDS professionell und hier im E-Magazin (Anmeldung erforderlich).


Aktuell verwaltet Swiss Life Select einen Wertpapierbestand von mehr als 700 Millionen Euro. Hinzukommen 150 Millionen Euro in Cash, die auf Einlagekonten liegen. Rechnet man auch den Versicherungsbestand hinzu, betreut das Unternehmen in Österreich rund zwei Milliarden Euro an Vermögen. Der logische Schritt, eine eigene Vermögensverwaltung anzubieten, wurde von CEO Christoph Obererlacher bereits Ende 2019 initiiert. Dabei hat sich der 49-jährige akademisch ausgebildete Financial Planner durchaus ehrgeizige Ziele gesetzt.

Eigene Vermögensverwaltung
Um die eigene Vermögensverwaltung aufbauen zu können, wurde bereits im Mai 2019 die P & F Portfolio- und Finanzmanagement übernommen. Diese stellte die notwendige Konzession zu verfügen. Mit Johannes Berger Sandhofer und René Lobnig konnten zudem zwei langjährige Experten für diesen Bereich gewonnen werden. "Nun möchten wir unseren Kunden über die Vermögensverwaltung standardisierte und diskretionäre Lösungen anbieten. Ziel ist es, mit dem neuen Angebot vor allem eine gehobene Kundenklientel, aber auch Stiftungen anzusprechen. Mittlerweile verwalten wir in der Vermögensverwaltung bereits an die sieben Millionen Euro", so Obererlacher.

Dabei gibt der Swiss-Life-Select-Geschäftsführer durchaus zu, dass es kein einfacher Weg war, bis das Projekt umgesetzt war: "Angesichts der notwendigen Prozesse in den Bereichen Digitalisierung, Datenschutz, Risikomanagement und Compliance war das schon eine gewaltige Herausforderung. Wir haben das Glück, dass wir in der Zentrale an die 80 Mitarbeiter haben, insofern konnten wir viele Ressourcen nutzen. Insgesamt haben rund 20 Personen an dem Projekt mitgearbeitet."

Der Ausbau des Geschäfts mit wohlhabenden Kunden ist bei Siwss Life Select freilich bereits seit längerer Zeit ein erklärtes Ziel. Mittlerweile kann das Unternehmen allerdings erfolgsversprechend Zahlen präsentieren. "Wir haben 2019 mit 3.039 Neukunden zwar weniger hinzugewonnen als noch 2018, allerdings ist der Provisionsumsatz mit einem Plus von zehn Prozent im Neugeschäft deutlich gestiegen. Bei Neukunden im gehobenen Segment haben wir um rund 30 Prozent mehr Umsatz gemacht. Mit der Vermögensverwaltung können wir nun ein ganz anderes Kundensegment ansprechen, wir sehen hier also noch deutliches Potenzial. Daher trauen wir uns auch zu, mittelfristig bis zu zehn Prozent unserer Berater auf Private-Banking­-Niveau zu bringen", erklärt der CEO.

Diskretionäre Lösungen ab 500.000 Euro 
Im Detail sieht das neue Angebot wie folgt aus: Die standardisierte Vermögensverwaltung bekommen Kunden mit einem freien Vermögen von 100.000 bis 500.000 Euro. Dabei wird es laut Obererlacher nicht nur hauseigene Strategien geben: So möchte man künftig auch mit namhaften nationalen und internationalen Vermögensverwaltern zusammenarbeiten, die ihre Strategien zur Verfügung stellen können.

Diskretionäre Lösungen gibt es ab 500.000 Euro, dann bekommt der Kunde ein maßgeschneidertes Portfolio. "Hier können wir auch steuerschonende Versicherungsmäntel über die Liechtenstein-Tochter der Swiss Life anbieten. Im unteren Segment bieten wir mit Swiss Life Select Individual zudem eine Lösung mit ETFs und institutionellen Fondsklassen, die ab 50.000 Euro zeichenbar ist. Darunter bieten wir weiterhin unsere Core-Satellite-Strategie an", so Obereralcher abschließend. (gp)


Das gesamte Interview mit Christoph Oberelacher finden Leser in der aktuellen Magazin-Ausgabe 1/2020 von FONDS professionell, die Abonnenten in diesen Tagen zugestellt wird.