Sun-Contracting-Partner Green Finance emittiert nicht mehr
Die hochverschuldete Finanzierungseinheit der Green Finance hat ihre Emissionstätigkeit eingestellt. Sie kann den Gruppentöchtern damit kein frisches Geld mehr zur Verfügung stellen. Für laufende Verträge ändere sich nichts. Wie sich nun herausstellt, ermitteln nicht nur in Österreich die Behörden.
Die zahlreichen Unternehmen der liechtensteinisch-österreichischen Green-Finance-Gruppe sitzen, was frisches Geld anbelangt, auf dem Trockenen: Die Finanzierungsgesellschaft Green Finance Capital AG (Liechtenstein), die in den vergangenen Jahren die Gruppengesellschaften mit Kapital versorgt hat, hat ihre Emissionstätigkeit eingestellt. Das bestätigte das Unternehmen auf Nachfrage.
Wie es mit der hochverschuldeten Gruppe weitergeht, ist damit unklar. Geschäftsführerin Ekaterina Yaneva sagte Mitte der Woche gegenüber der Redaktion, das Unternehmen habe nicht Insolvenz angemeldet. Auf weitere Zukunftsfragen gab es keine Antwort.
Bilanzverluste
Jedenfalls dürften die Töchter stark auf das Geld angewiesen sein. Zu einem großen Teil handelt es sich um Immobilienprojekte. Sie weisen in den letzten Jahresberichten laufend Bilanzverluste auf (zum Beispiel Green Business Center Linz, Green Business Center Graz GmbH, Green Business Center Wien, Green Castle Hantberg und Green Hotel Römerstein) oder wenn überhaupt sehr magere Bilanzgewinne (Immowerte, Green Assets AT). Auch bei der Prozessfinanzierungstochter LVA24 ist die Bilanz rot.
Die Green Finance Capital AG hatte in den vergangenen Jahren Anlegern in vielen europäischen Ländern Nachrangdarlehen oder Anleihen in einem enormen Ausmaß verkauft. Innert zwei Jahren haben sich die Verbindlichkeiten dieser Gesellschaft auf 84 Millionen Euro im Jahr 2024 fast verdoppelt, wie aus Kapitalmarktunterlagen hervorgeht. Wobei Eigenkapital von nicht einmal 100.000 Euro vorhanden ist. Das entspricht einer nur noch mit der Lupe wahrnehmbaren Eigenkapitalquote von rund 0,1 Prozent.
Ermittlungen
Laut Geschäftsführerin Yaneva seien neue Emissionen der Green Finance Capital AG bis zum Abschluss von Ermittlungen "unrealistisch". Was das für die kapitalbedürftigen Töchter bedeutet, war trotz mehrfacher Nachfrage nicht zu erfahren.
Laufende Verträge mit den Anlegern seien "von dieser Änderung unberührt und laufen gemäß den vertraglichen vereinbarten Bedingungen", so Yaneva. Man strebe die vollständige Erfüllung aller vertraglich vereinbarten Verpflichtungen zum jeweiligen Fälligkeitszeitpunkt an.
Ermittlungen führt unter anderem die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) in Wien. Gegen Green Finance werde gemeinsam in einem Komplex mit Sun Contracting ermittelt, sagte eine Staatsanwältin gegenüber der Redaktion.
Insolvenz des engen Partners Sun Contracting
Die Sun-Contracting-Gruppe hat vor einer Woche Insolvenz angemeldet. Green Finance war ihre Vertriebspartnerin (Investitionsprodukte und Photovoltaik-Anlagen-Vermittlung etc.) und es gab personelle Überschneidungen zwischen den Unternehmen. Für Anleger, die sich bei der Redaktion meldeten, waren die Unterschiede zwischen Green Finance oder Sun Contracting nicht erkennbar.
Nach der Selbstanzeige eines Geschäftspartners stehen in beiden Gruppen Delikte wie Betrug, Untreue und Bilanzfälschung mit einem Schaden von 20 Millionen Euro im Raum. Eine Person wurde verhaftet, es gibt 20 Verdächtige, darunter vier Unternehmen. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Ermittlungen in Liechtenstein: Auch Geldwäscheverdacht
Mit den Behörden im Konflikt steht das Geflecht auch in Liechtenstein. Es geht um den Verdacht des schweren gewerbsmäßigen Betrugs und der Geldwäscherei, teilt ein Staatsanwalt in Liechtenstein mit. Im März 2025 wurden Vorerhebungen gegen eine natürliche und eine juristische Person eingeleitet. "Die Vorerhebungen sind noch nicht abgeschlossen. Nähere Angaben werden derzeit nicht gemacht. Es gilt die Unschuldsvermutung", heißt es.
Man kooperiere "vollumfänglich mit den zuständigen Behörden im laufenden Ermittlungsverfahren", heißt es bei Green Finance. (eml)














