Ein Jahrzehnt langsamer Fortschritte ist vorerst beendet: Der Anteil von Frauen unter den aktiven Fondsmanagern ist weltweit von 12,9 auf 12,6 Prozent gesunken. Es ist der erste Rückgang seit 2018, wie aus dem neuen "Alpha Female Report 2026" von Citywire hervorgeht.

Auch die absolute Zahl sank erstmals in der elfjährigen Geschichte der Untersuchung. Citywire erfasste 2.283 aktive Fondsmanagerinnen – nach 2.371 im Vorjahr. Zwar ging auch die Zahl der männlichen Fondsmanager zurück, bei den Frauen fiel der Rückgang jedoch stärker aus.

Europa zieht die Bilanz nach unten
Verantwortlich für die Trendwende sind der Studie zufolge vor allem europäische Fondsmärkte. Luxemburg verlor binnen eines Jahres 30 Fondsmanagerinnen. In Großbritannien waren es 19, was einem Rückgang um 8,3 Prozent entspricht. Irland verzeichnete ein Minus von 16, Frankreich von 15 Fondsmanagerinnen.

Zusätzlich werden Frauen proportional seltener mit neuen Fonds betraut. Im laufenden Jahr gingen 83 Prozent der neu aufgelegten Portfolios an einen einzelnen Mann oder ein ausschließlich männlich besetztes Team. Im noch jungen Segment der aktiven ETFs sank der Frauenanteil von 10,9 auf 10,3 Prozent.

Fondsmanagerinnen verbleiben im Durchschnitt 4,6 Jahre bei einem Fonds, Männer dagegen 5,9 Jahre. Von den Frauen, die in den vergangenen zehn Jahren Fonds verantworteten, wurden 46 Prozent in diesem Zeitraum wieder von ihren Mandaten abgezogen. Bei den Männern waren es 30 Prozent.

Verwaltetes Vermögen erreicht Rekord
Trotz des rückläufigen Frauenanteils ist das von Frauen allein oder in gemischten Teams verwaltete Vermögen kräftig gestiegen: von 4,7 auf 5,7 Billionen Euro. Der größte Teil des Zuwachses entfiel auf gemischt besetzte Teams, deren Vermögen um 800 Milliarden auf 4,9 Billionen Euro zulegte.

Allein verantwortliche Fondsmanagerinnen verwalten 630 Milliarden Euro, reine Frauenteams weitere 143 Milliarden Euro. Mit Finola McGuire Foley und Cait Dourney finden sich außerdem zwei Frauen unter den fünf Fondsmanagern, die laut Citywire weltweit das meiste Vermögen mitverantworten.

Deutschland weit unter dem Weltdurchschnitt
Die Unterschiede zwischen den Ländern bleiben erheblich. Taiwan führt mit einem Frauenanteil von 31,1 Prozent vor Singapur mit 24,8 und Hongkong mit 24,2 Prozent.

Die deutschsprachigen Fondsmärkte liegen allesamt unter dem globalen Durchschnitt von 12,6 Prozent. Österreich erreicht 10,8 Prozent, die Schweiz acht Prozent. Deutschland kommt lediglich auf 7,2 Prozent und belegt damit unter den 23 aufgeführten Ländern den 21. Platz.

Die wichtigsten Ergebnisse des "Alpha Female Report 2026" zeigt unsere Grafikstrecke. (mb)