Das Feld der Retailanleger eröffnet Fondsgesellschaften in den nächsten Jahren die besten Wachstumsperspektiven. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Unternehmensberatung Oliver Wyman sowie der Großbank Morgan Stanley. Die Autoren forschen darin nach Trends in der weltweiten Asset- und Wealth-Management-Branche. Die Analysten schätzen, dass rund um den Globus das Retailgeschäft bis 2025 ein Volumen von 85 Billionen US-Dollar und einen Marktanteil von 62 Prozent erreicht. Zuletzt bezifferte sich der Anteil auf 57 Prozent bei einem veralteten Vermögen von 59 Billionen Dollar.

Das Retailgeschäft locke nicht nur mit seinen besseren Wachstumsaussichten, sondern auch mit höheren Margen, argumentieren die Experten der beiden Häuser. Dieser Aspekt erscheint vor dem Hintergrund steigender Kosten einerseits und der durch die zunehmende, passive Konkurrenz erodierenden Gebühren andererseits als besonders interessant. "Wir wollen damit nicht sagen, dass sich für Asset Manager im institutionellen Bereich keine Chancen eröffnen", betonten die Autoren. "Vielmehr erscheinen die Erlösquellen bei Privatkunden, insbesondere über den Vertriebsweg des Wealth Management, als attraktivere Einnahmequellen."

Maßgeschneiderte Angebote gefragt
Vor diesem Hintergrund werde der Zugang zu Retail-Vertriebskanälen für die Fondsanbieter immer wichtiger. Insbesondere in den angelsächsisch geprägten Regionen verbreitete sich eine offene Architektur, bei der Vertriebe Produkte unterschiedlicher Anbieter ins Schaufenster stellen. Vor allem in Kontinentaleuropa sind hingegen sogenannte "gebundene" Kanäle üblich, bei denen etwa Banken überwiegend die Fonds ihrer Asset-Management-Töchter vertreiben. Für Fondsanbieter stellen solche angeschlossenen Wealth-Management-Einheiten eine wertvolle Quelle für Neugeldzuflüsse dar.

Dennoch stehen auch Gesellschaften, die in so einer komfortablen Lage sind, unter einem erheblichen Wandlungsdruck, warnen die Analysten von Oliver Wyman und Morgan Stanley. Kunden würden künftig eine ganzheitlichere Beratung mit viel genauer an die jeweiligen Bedürfnisse zugeschnittenen Produkten erwarten. In der Folge müssten sowohl Wealth- als auch Asset Manager sich von Lieferanten standardisierter Massenprodukte zu Entwicklern maßgeschneiderter, individueller Lösungen entwickeln. Darüber hinaus gelte es, Zukunftsfelder wie die nachhaltige Geldanlage weiterzuentwickeln und in neue Themenbereiche wie Kryptowährungen vorzustoßen, um mit den Wünschen der Kunden Schritt halten zu können. (ert)