Im Fondsmanagement sind allmählich mehr Frauen zu finden – man muss sie allerdings nach wie vor mit der Lupe suchen. In Deutschland ist die Fondsmanagerinnen-Quote von vier Prozent im vergangenen auf sechs Prozent im laufenden Jahr gestiegen, zeigt eine Studie des Branchendienstes Citywire. Das war vor allem einzelnen großen Gesellschaften zu verdanken, etwa der DWS: Beim Branchen-Platzhirsch kletterte der Frauenanteil von elf auf 14 Prozent. In Österreich haben weibliche Fondsmanager offenbar bessere Karrierechancen als in Deutschland. Dort beträgt die Frauenquote derzeit immerhin zwölf Prozent und liegt damit leicht über dem globalen Durchschnitt von elf Prozent (Vorjahr: 11 Prozent in Österreich und 10,3 Prozent weltweit).

Im Vergleich zu anderen Ländern liegen Deutschland und Österreich beim Thema Frauenförderung in der Finanzbranche weit zurück. Beispiel Hongkong: Dort beträgt die Frauenquote im Fondsmanagement laut Citywire-Studie 27 Prozent. In Spanien sind immerhin 22 Prozent der Fondsmanager weiblich, in Italien 19. Der weltgrößte Anlagemarkt USA ist mit nur neun Prozent Frauenanteil weit abgeschlagen.

Trend zu gemischten Teams hilft Frauen
Der "Alpha Female Report 2020" beruht auf einer Auswertung der hauseigenen Datenbank von Citywire. Darin waren zuletzt 16.000 Fondsmanager verzeichnet – nur 1.762 von ihnen waren Frauen. Diese verwalten überdies meist weniger Geld als ihre männlichen Kollegen. "Trotz neuer Initiativen, um mehr weibliche Talente ins Asset Management zu bringen, bleibt der Frauenanteil auch fünf Jahre nach dem ersten Report erbärmlich klein", kommentiert Citywire-Expertin Nisha Long. 

Ein Problem ist die hohe Fluktuation unter Fondsmanagerinnen. Ihre Wechselquote liegt bei 42 Prozent und damit fast doppelt so hoch wie bei den Männern (27 Prozent). "Fondsmanagerinnen im Team zu halten ist eine Kernaufgabe und sagt etwas über die Unternehmenskultur und das Arbeitsumfeld aus", sagt Long. Unternehmen, die klare Diversitäts- und Inklusionsziele formulieren, schneiden in puncto Mitarbeiterinnenbindung besser ab – etwa der britische Vermögensverwalter Schroders. Auch die Entwicklung weg von einzelnen Star-Managern hin zu gemischten Teams kommt Frauen zugute und könnte ihr Zahl im Asset Management langfristig steigern. Setzt sich die "Verweiblichung" der Branche mit demselben Tempo fort wie bisher, würde es allerdings noch bis zum Jahr 2215 dauern, bis die Hälfte der Fondsmanagement-Posten von Frauen besetzt ist. (fp)