Bei neun der zehn größten Banken Europas hat sich die finanzielle Situation im vergangenen Jahr verschlechtert. Damit setzt sich der seit Jahren anhaltende Niedergang der europäischen Großbanken fort. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Unternehmensberatung Bain & Company, bei der die Kennzahlen von 100 Banken ausgewertet wurden.

"Die großen Banken arbeiten nach wie vor mit zu hohen Kosten", sagt Dirk Vater, Bain-Partner und Leiter der Praxisgruppe Banken in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das Aufwands-Ertrags-Verhältnis (Cost-Income-Ratio, CIR) der zehn größten Institute in Europa liegt mit 69 Prozent um immerhin neun Prozentpunkte über dem Durchschnitt der anderen Banken. Von einem Euro Erlös blieben also nur 31 Cent übrig.

Zu hohe Kosten
"Nur wenn sich die großen Banken endlich auf profitable Kundensegmente und Geschäftsfelder konzentrieren und ihre Digitalisierung entschlossen vorantreiben, können sie den Wiederaufstieg schaffen", warnt Vater. Branchenweit sank die Cost-Income-Ratio 2017 um drei Prozentpunkte auf 60 Prozent, wobei nach wie vor deutsche und britische Banken schwächer abschneiden als die Konkurrenz.

Aber die Unternehmensberater stießen auch auf Lichtblicke. "Trotz aller Herausforderungen konnten Europas Banken 2017 ihre Profitabilität steigern", meint Consultant Vater. Die Ausstattung mit Kernkapital verbesserte sich ebenso wie die Liquidität. Der Anteil ausfallgefährdeter Kredite und die Zahl entsprechender Abschreibungen sanken. Dennoch schickt der Unternehmensberater eine Warnung hinterher: "Noch profitieren die Banken von der guten Konjunktur", mahnt Vater. "Doch sowohl große als auch kleinere Institute sind gut beraten, sich auf einen möglichen Abschwung vorzubereiten."

Geldhäuser im Gesundheitscheck
Wie gut die einzelnen Finanzinstitute in Europa dastehen, prüften die Experten in einem "Gesundheitscheck" ab.  Dieser betrachtet die Robustheit der Geschäftsmodelle der einzelnen Banken und deckt die Punkte Gewinn- und Verlustrechnung, Bilanz sowie widrige Rahmenbedingungen ab.

Die Gewinnergruppe des Gesundheitschecks umfasst 32 Prozent der 100 Banken. Sie stammen vor allem aus Skandinavien sowie Belgien und den Niederlanden. Im Vorjahr zählten aber noch 38 Prozent von Europas Geldhäusern zu der Gewinnergruppe. 23 Prozent der Banken weisen Defizite im Geschäftsmodell auf, verfügen aber zumindest über eine robuste Bilanz. Dies gelte insbesondere für deutsche und britische Institute, so die Bain-Analysten.

Ein Viertel sind Sorgenkinder
19 Prozent der untersuchten Institute wiesen Schwächen in der Bilanz auf, was vor allem auf spanische Banken zutraf. Immerhin 26 Prozent der Banken befinden sich Bain zufolge in einem besorgniserregenden Zustand. Der Wert liegt nur zwei Prozentpunkte unter dem Niveau des Vorjahres. Hier finden sich speziell italienische, griechische, portugiesische und zypriotische Institute. (ert)