Deutschlands Banken sparen zwar seit Jahren, doch alle Bemühungen fruchten nichts. Steigende Aufwendungen für die Digitalisierung und Kosten für die striktere Regulierung machen die erreichten Kosteneinsparungen wieder zunichte gemacht. Zu diesem düsteren  Ergebnis kommt die Unternehmensberatung Bain & Company in einer Studie zur Lage der Banken in Deutschland.

Demgegenüber stehen die Erträge weiterhin unter Druck, so der Ergebnis der nunmehr sechsten Auswertung. Auf der Ertragsseite würden sich insbesondere die Provisionsüberschüsse nicht wie erhofft entwickeln. Sie stagnieren seit Jahren bei jährlich rund 30 Milliarden Euro, so die Analysten. Die Zinsüberschüsse würden weiterhin unter der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank leiden. Ein rückläufiges Handelsergebnis habe die Lage zuletzt noch zugespitzt.

Negative Eigenkapitalrendite droht
Im Ergebnis decke der Gewinn selbst die deutlich rückläufigen Eigenkapitalkosten nicht. Die Eigenkapitalrendite nach Steuern habe sich 2018 halbiert und verharre mit einem Prozent nahe der Nulllinie. "Deutschlands Banken drohen, den Anschluss an die internationale Konkurrenz zu verlieren", sagt Walter Sinn, Bain-Deutschlandchef und Autor der Studie.

In einer Szenario-Kalkulation kommen die Bain-Experten zu dem Ergebnis, dass sich mittelfristig selbst in einem nur leicht eingetrübten Umfeld die Eigenkapitalrendite auf 0,5 Prozent noch einmal halbieren könnte. In einem Negativszenario gerät die Gesamtprofitabilität der deutschen Kreditwirtschaft in Gefahr. Es drohe eine negative Rendite von minus einem Prozent.

Europäische Konsolidierung "unausweichlich"
Angesichts des schwierigen Umfelds bleiben den Geldhäusern nicht viele Optionen. "Die Banken haben keine andere Wahl, als ihr Filialnetz noch mehr auszudünnen und die Zahl ihrer Beschäftigten weiter zu reduzieren", meint Bain-Mann Sinn. Dabei war der Rückbau schon enorm. Seit 2008 entließ die Branche rund 100.000 Beschäftigte und schloss 10.600 Geschäftsstellen– allein im vergangenen Jahr machten 2.100 Filialen dicht, rechnen die Analysten vor. Doch das reiche nicht.

"Um die Renditelücke zu schließen, müssen Deutschlands Banken nun wirklich alle Hebel in Bewegung setzen", ergänzt Sebastian Thoben, Bain-Partner und Co-Autor der Studie. "Eine europäische Bankenkonsolidierung ist unausweichlich", prognostiziert Thoben. So könnten die deutschen Institute ihre Eigenkapitalrendite um vier Prozentpunkte steigern und zusammen mit weiteren Sparmaßnahmen die Ergebnislücke schließen. Dafür müsse aber der Rahmen stimmen. "Grenzüberschreitende Fusionen erfordern Fortschritte bei der europäischen Bankenunion", betont Thoben.

Schulterschluss unter Schwachen
Doch auch in den Nachbarländern ringen Finanzinstitute meist mit zu hohen Kosten. Das aggregierte Aufwand-Ertrags-Verhältnis (Cost-Income-Ratio, CIR) europäischer Banken für 2018 beziffert die Unternehmensberatung Bearing Point auf gut 59 Prozent. Für einen Euro Umsatz müssen die Banken also 59 Cent ausgeben. "Vielen europäischen Banken fehlt es deutlich an Effizienz", hält Bearing-Point-Partner und Studienautor Frank Hofele fest. Für die Cost-Income-Ratio von Deutschlands Banken kommen die Kollegen von Bain mit 73 Prozent auf einen noch schlechteren Wert. Das sind zehn Prozentpunkte mehr als zu Beginn des Jahrzehnts und nahe dem Wert des Finanzkrisenjahrs 2008.

Die deutsche Finanzaufsicht Bafin wiederum meldete zuletzt Zweifel an, ob Fusionen unter Banken die Misere lösen können. "Glaubt wirklich jemand ernsthaft, dass der deutsche Bankenmarkt profitabel würde, wenn wir statt aktuell 1.400 Banken nur noch fünf- oder sechshundert hätten?", sagte der oberste Bankenaufseher der Bafin, Raimund Röseler, im November auf einer auf einer Konferenz zum Thema Regulierung. Mit dieser Skepsis stellte er sich gegen die Haltung der EZB, die Zusammenschlüsse unter Banken befürwortet. (ert)