Nachdem Banken seit 2022 von einer Erholung bei den Zinseinnahmen profitierten, müssen sie nun wieder die Provisionserträge steigern. Zu diesem Schluss kommt eine Analyse der Unternehmensberatung Strategy&, die zur Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC gehört. So konnten die europäischen Institute die Einlagen im Jahr 2025 um vier Prozent und die Kreditvergabe um drei Prozent verbessern. Die Kosten kletterten im Schnitt nur um ein Prozent, während der operative Gewinn um sechs Prozent zunahm.

"Doch unter der Oberfläche verändert sich das Umfeld", warnen die Autoren des "Retail Banking Monitor 2026". Denn insbesondere das bessere Ergebnis sei den gestiegenen Zinseinnahmen entsprungen. Diese könnten aufgrund des volkswirtschaftlichen Umfelds wieder zurückgehen. Zudem deute sich eine Zunahme der Kreditausfälle an. Daher sei es wichtig, die Provisionserträge zu steigern und sich somit zumindest ein Stück weit vom makroökonomischen Umfeld zu lösen.

Bei Neukunden abgehängt
Als einen weiteren Faktor führen die Strategy&-Experten die zunehmende Konkurrenz an, insbesondere durch Neobanken und Broker wie N26, Revolut oder Trade Republic. Deren Bestände sind zwar noch gering. Doch die jungen Herausforderer erhaschen einen erheblichen Teil der Neukunden in Europa. So hat allein Revolut in den vergangenen zwei Jahren mehr als 20 Millionen neue Kunden gewonnen. Die traditionellen Geldhäuser hingegen stagnieren.

"Die Konsequenz ist struktureller Natur", folgern die Autoren. Das Institut, das die erste Kundenbeziehung für sich gewinne, sichere sich den Ausgangspunkt für eine lebenslange Kundenbeziehung. "Die etablierten Anbieter verlieren zwar keine Kunden in dramatischem Ausmaß, aber sie verlieren genau jene Kunden, die noch nicht gewonnen wurden", führen die Experten aus. Sprich: Richten junge Menschen ihr erstes Konto bei einer Neobank ein, fällt es traditionellen Instituten schwer, sie später zu einem Wechsel zu bewegen.

Ambitionierte Auslandsbanken
Andere Beobachter verweisen zudem auf die Ambitionen von Auslandsbanken. So ist der Wall-Street-Riese JP Morgan mit seiner Direktbankmarke Chase nach dem Markteintritt in Großbritannien jüngst auch in Deutschland aktiv geworden. Und Akteure wie die spanische Großbank Banco Bilbao Vizcaya Argentaria (BBVA) wollen ihr Geschäft über die Landesgrenzen hinweg ausbauen.

Umwälzung im Investmentgeschäft
Auch auf der Produktseite sei eine Umwälzung im Gange, insbesondere im Investmentbereich. Der Börsenhandel per App und günstige ETFs erlangen eine größere Bedeutung und sichern sich einen immer größeren Teil des Anlagegeschäfts – das bislang die traditionellen Geldhäuser praktisch für sich vereinnahmen konnten. Dieser Umbruch sei besonders bei jüngeren Kunden sowie der leicht gehobenen Klientel stark ausgeprägt, aber nicht darauf beschränkt.

"Der Druck wirkt in zwei Richtungen", erläutern die Unternehmensberater. Neue Marktteilnehmer würden Marktanteile mit transparenten, kostengünstigen Angeboten gewinnen, die die Margenstruktur der etablierten, gebührenträchtigen Modelle offenlegen. "Banken, die sich auf den Vertrieb von aktiven Fonds und eine undurchsichtige Preisgestaltung stützen, werden neu bewertet: nicht durch die Regulierung, sondern durch die Entscheidung der Kunden."

Effizienzgewinn durch KI
Schließlich spiele auch die künstliche Intelligenz (KI) eine zunehmende Rolle. Im amerikanischen Markt gelinge es manchen Banken, durch den Einsatz von KI ihre Effizienz im zweistelligen Prozentbereich zu steigern. Auch in Europa schreiten die ersten Akteure mit dem KI-Einsatz voran. "Institute, die KI schnell genug einführen, werden sowohl bei den Kosten als auch beim Kundenerlebnis die Nase vorn haben", meinen die Experten von Strategy&. "Unternehmen, denen dies nicht gelingt, werden in beiden Bereichen strukturell im Nachteil sein." (ert)