Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) macht Europas Banken schwer zu schaffen, sodass einige ihre Kunden über Extra-Gebühren zur Kasse bitten. Nun gibt es offenbar auch bei der Deutschen Bank Überlegungen, die Mehrbelastung weiterzureichen. Derzeit prüft das Institut die Weitergabe der negativen Zinsen der EZB an ihre Kunden, berichtet Bloomberg. "Wir erwägen über alle unsere Geschäftsbereiche hinweg, negative Zinsen an die Kunden weiterzugeben, wo es klug und vernünftig und auch rechtlich möglich ist", sagte Finanzvorstand James von Moltke der Nachrichtenagentur.

Die Bank befinde sich dazu in Kundengesprächen, "speziell in unserer Unternehmensbank, aber auch in der Privatbank – mit dem Konzept, dass es ab einem bestimmten Niveau angemessen ist, negative Zinsen weiterzugeben", sagte Moltke. Laut Bloomberg sollen sich die Pläne vorerst auf vermögende Privatkunden beschränken, die Millionen auf ihrem Konto parken und zugleich kaum Geschäfte mit der Bank tätigen. Im breiten Kundengeschäft sind Strafzinsen dagegen nicht geplant.

Verluste im dritten Quartal
Die Zusatzeinnahmen durch die Negativzinsen kann das Institut gut gebrauchen. Am Mittwoch (30. Oktober) hat die Deutsche Bank ihre Geschäftszahlen für das dritte Quartal 2019 vorgelegt. Unterm Strich stand ein Minus von 942 Millionen Euro. Die Erträge gingen um rund 15 Prozent zurück auf 5,3 Milliarden Euro. Zugleich zogen die Kosten um vier Prozent an. Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hat seinemm Haus im Juli einen harten Sparkurs verordnet. Ob die neue Strategie aufgeht, ist offen. (fp)