Der Mischfonds Acatis Gané Value Event hat während des Corona-Crashs im März 2020 vorübergehend über ein Viertel seines Wertes gebüßt. Im Herbst haben dann Vorwürfe eines Leerverkäufers gegen den Finanzierungsdienstleister Grenke den Fondspreis belastet. Inzwischen liegt das Sondervermögen aber wieder deutlich im Plus. Die beiden Gründer und Inhaber der Fondsboutique Gané, Uwe Rathausky und J. Henrik Muhle, sind insgesamt optimistisch gestimmt. Warum das so ist, und wo das Berater-Duo jetzt Chancen erkennt, erklärt Rathausky im Interview mit FONDS professionell ONLINE.


Herr Rathausky, Ihr Mischfonds, der Acatis Gané Value Event, hat im März 2020 während der Börseneinbrüche aufgrund der ersten Corona-Welle zwischenzeitlich knapp 26 Prozent seines Wertes eingebüßt, lag dann aber ganz schnell wieder deutlich im Plus. Wie geht es dem Fonds jetzt in der zweiten Welle?

Uwe Rathausky: Jetzt im Herbst verbreitet die zweite Corona-Welle an der Börse bisher wenig Schrecken. Entsprechend ruhig und mit geringer Aktivität steuern wir den Fonds durch den erneuten Lockdown. Die Krise ist unverändert die gleiche. Aber an der Börse ist das Kind bereits in der ersten Welle in den Brunnen gefallen. Seither versuchen alle, es wieder hochzuziehen: Geldpolitik, Fiskalpolitik, Medizin und Impfstoffforschung. Und das wird gelingen. Die ersten Impfstoffe stehen vor der Zulassung, während die Wirtschaft fast schon staatskapitalistisch gestützt wird. Daher sollte man aus der ersten Welle keine Parallelen für die Börsenentwicklung in der zweiten Welle ableiten. Vielmehr gilt: Die Branchen und Unternehmen, die zu den Profiteuren oder Verlierern der ersten Welle zählten, werden das auch in der zweiten Welle sein. 

Im September hat der Acatis Gané Value Event ein Minus von rund vier Prozent gemacht, im Oktober waren es knapp drei Prozent, im November liegt er mit 6,4 Prozent im Plus. Wie kam es zu den Verlusten?

Rathausky: Die Monate September und Oktober waren vor allem von zwei Ereignissen geprägt. Zum einen legten unsere Digitalisierungsgewinner, deren Gewichtung wir im Frühjahr ausgebaut hatten, eine Verschnaufpause ein. Sie korrigierten nach deutlichen Kursgewinnen. Das beunruhigt uns aber nicht, denn operativ feuern sie weiterhin aus allen Zylindern. Vorneweg die drei weltgrößten Cloud-Infrastrukturdienstleister Amazon, Microsoft und Alphabet.

Kommen wir auf das zweite Ereignis.

Rathausky: Im September hat eine Short-Attacke gegen unsere Kernposition Grenke den Fondspreis belastet. Aber auch hier sind wir gelassen. Wir halten die Betrugs- und Manipulationsvorwürfe gegen das Unternehmen für unbegründet, wie wir bereits in unserer Pressemitteilung vom 21. September 2020 ausgeführt haben. Allerdings dauert es einige Zeit, bis die erhobenen Vorwürfe durch Gutachten widerlegt sind und das Vertrauen zurückzugewinnen ist. Grenke ist hier aber auf einem guten Weg, wie wir meinen. Die ersten Vorwürfe wurden bereits nachweislich widerlegt.

Die Rolle des Firmengründers Wolfgang Grenke und mögliche Transaktionen mit nahestehenden Personen nahm der Shortseller ebenfalls ins Visier. Wie beurteilen Sie diese Vorwürfe?

Rathausky: Für Wolfgang Grenke gilt das Gleiche wie für das Unternehmen selbst: Mit Transparenz müssen die Vorwürfe ausgeräumt werden. Wir hätten uns hier Manches bisher eindeutiger und in der Krisenkommunikation besser gewünscht. Nach unserer eigenen Analyse sehen wir aber bisher keine Anhaltspunkte für "Related Party Transactions", die man rein rechtlich und unter Anwendung der Kriterien für eine "nahestehende Person", wie sie in den International Accounting Standards 24.9 aufgeführt sind, hätte offenlegen müssen. Bei der ganzen kritischen Aufarbeitung dürfen wir jedenfalls eines nicht vergessen: Wir haben es mit einem mittelständisch geprägten und ehemals eigentümergeführten Unternehmen zu tun, das in den letzten Jahren sehr stark gewachsen ist. 

Was bedeutet das?

Rathausky: Ganz bestimmt ist Wolfgang Grenke in einer Ausnahmesituation, wenn er damit konfrontiert ist, dass sein Lebenswerk grundlos zerstört werden soll. Und natürlich werden in solchen Situationen Potenziale aufgedeckt, wie man Unternehmensprozesse verbessern kann, um sie an die wachsenden rechtlichen und organisatorischen Anforderungen sowie an die gewonnene Unternehmensgröße anzupassen. Und das setzt die Grenke AG um. Zum Beispiel mit einer organisatorischen Änderung und Weiterentwicklung des erfolgreichen Franchise-Systems und einem neuen Vorstandsressort für Risikocontrolling, Recht und Compliance.

Also viel Lärm um nichts?

Rathausky: So würde ich das nun auch nicht sagen. Aber ich wundere mich schon, wie manche internationalen ESG-Fonds aus Angst vor einem zweiten Fall Wirecard schnellstmöglich Grenke-Aktien verkauft haben, ohne die Details der Vorwürfe zu prüfen und aufzuarbeiten. Wenn eine Short-Attacke bedeutet, dass solche Fonds automatisch verkaufen, dann fällt es mir schwer, darin Nachhaltigkeit zu erkennen. Im Vergleich zur Deutschen Bank, Volkswagen und anderen Unternehmen ist Grenke vielleicht nicht so geübt im Umgang mit Krisen, gibt dafür aber weitaus weniger Anlass zur Kritik.

Themawechsel: Ein Teil Ihrer Investment-Philosophie ist der "typische Buffett-Dreiklang", hinzu kommt aber eine Event-Komponente. Können Sie diese bitte kurz erklären?

Rathausky: Der erwähnte Buffett-Dreiklang setzt sich aus der Qualität des Geschäftsmodells, des Managements und der Attraktivität der Bewertung zusammen. Das bildet die Value-Komponente. Events sind für uns positive unternehmensspezifische Ereignisse, zum Beispiel Veränderungen in der Kapital- oder Aktionärsstruktur, aber auch operative Katalysatoren wie eine zunehmende Wachstums- und Margendynamik, die den Börsenkurs beflügeln oder aber zumindest das Kursrisiko begrenzen sollen. Diese Bausteine fließen dann in unser Gané-Scoring-Model ein, mit dem wir die Investments untereinander vergleichbar machen.

Lassen sich Unternehmen, bei denen solche Ereignisse eintreffen, im Moment finden?

Rathausky: Ja klar. Die operative Dynamik bei den bereits erwähnten Digitalisierungsgewinnern Amazon, Microsoft und Alphabet ist unseres Erachtens enorm. Die beiden letztgenannten optimieren zudem ihre Kapitalstruktur durch erhebliche Aktienrückkäufe. Das sollte etwaige Marktpreisschwankungen abfedern und zusätzlich den Wert pro Aktie langfristig erhöhen. Und bei SAP hat Mitgründer Hasso Plattner nach der Reduzierung der Gesamtjahresprognose eine Viertelmilliarde Euro eingesetzt, um Aktien nachzukaufen. Derartige Insider-Transaktionen sind häufig ein guter Indikator, um das eigene Timing zu verbessern. Zumal SAP bis 2025 das Betriebsergebnis rückblickend um sieben Prozent jährlich gesteigert haben möchte.

Wo sehen Sie derzeit noch Anlagechancen?

Rathausky: Zum Beispiel in den Dividendenaristokraten Allianz und Münchner Rück. Zwei Unternehmen, deren Geschäftsmodelle auch in Krisenzeiten so robust sind, dass ihre Ausschüttungen auf einem hohen Niveau gehalten werden können. Beide liefern uns eine Dividendenrendite von rund fünf Prozent und beide dürften nach der Corona-Krise aufgrund ihrer Überkapitalisierung die Aktienrückkaufprogramme wieder aufnehmen. Sie haben neben der Ausschüttung das Potenzial für kontinuierliche Kurszuwächse, sofern die Zinsen niedrig bleiben – wovon wir ausgehen. Auf der Anleiheseite liefern uns die Grenke-Papiere derzeit eine laufende Verzinsung von über sechs Prozent. Das ist ebenfalls sehr attraktiv. 

Und welche Wünsche haben Sie für das Jahr 2021? 

Rathausky: Ein Jahr mit weniger Volatilität und ohne Virus- und Short-Attacken in unserem Portfolio.

Vielen Dank für das Gespräch. (am)