Die Fondsgesellschaft Standard Life Aberdeen hat im ersten Halbjahr 2020 einen Gewinneinbruch erlitten. Der bereinigte Vorsteuergewinn ging gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 30 Prozent auf 195 Millionen Pfund (216 Millionen Euro) zurück. Ohne Bereinigungen rutschte das Haus, das aus der Fusion der schottischen Finanzdienstleister Aberdeen und Standard Life hervorgegangen ist, sogar in die roten Zahlen: Demnach steht ein Verlust vor Steuern von 498 Millionen Pfund zu Buche. Ein Jahr zuvor hatte die Gesellschaft noch einen Gewinn von 629 Millionen Pfund erwirtschaftet.

"Keine Frage, die Auswirkungen von Covid-19 haben eine Rolle bei unseren Ergebnissen und denen der gesamten Branche gespielt. Dies gilt besonders bei den Erträgen", sagte der scheidende Vorstandschef Keith Skeoch. So sanken die Gebühreneinnahmen um 13 Prozent auf 706 Millionen Pfund vor allem wegen Mittelabzügen durch Anleger. Sein Haus habe aber den außergewöhnlichen Umständen getrotzt und ruhe auf einer soliden finanziellen Basis, betonte Skeoch.

Krone abgegeben
Aufgrund der Mittelabzüge und niedrigeren Bewertungen an den Börsen schrumpfte das verwaltete Vermögen der Schotten auf rund 511,8 Milliarden Pfund. Damit ist nun bestätigt, was sich Ende Juli bereits abzeichnete: Standard Life Aberdeen gibt die Krone als größte börsennotierte Fondsgesellschaft an den Konkurrenten Schroders ab. Dieser steigerte inmitten der Krise das verwaltete Vermögen auf 525,8 Milliarden Pfund.

Ein Hintergrund der Entwicklung ist, dass der Lebensversicherer Scottish Widows ein Mandat mit einem Gesamtvolumen von 67 Milliarden Pfund von Standard Life Aberdeen an Schroders überträgt. Die Mutter von Scottish Widows, die Bankengruppe Lloyds, hatte vor zwei Jahren eine umfassende Kooperation mit Schroders vereinbart. Das Geld wird schrittweise übertragen. (ert)