Diese Personalie ist ein echter Knüller: Wie die Redaktion aus erster Hand erfahren konnte, will Peter E. Huber, Partner und Vorstand der Starcapital AG, sich bis Ende des laufenden Jahres Schritt für Schritt aus der Verantwortung für das Portfoliomanagement des Oberurseler Vermögensverwalters zurückziehen. Hubers Aufgaben soll nach und nach sein Vorstandskollege Manfred Schlumberger, seit 1. April vergangenen Jahres an Bord von Starcapital (FONDS professionell berichtete), übernehmen. Im Gespräch mit der Redaktion verraten Huber und Schlumberger, was 2018 und darüber hinaus bei Starcapital geplant ist und welche Aussichten die Kapitalmärkte bieten.


Herr Huber, weshalb ziehen Sie sich – nach fast 40 Jahren in der Asset-Management-Branche – allmählich aus dem aktiven Geschäft bei Starcapital zurück?

Peter E. Huber: Allmählich ist ein gutes Stichwort in diesem Zusammenhang. Gemeinsam mit der Bellevue wollten wir bewusst vorausschauend für einen guten Übergang sorgen, was die Verantwortung für das Portfoliomanagement angeht. Von daher ist es richtig: Ich werde mich bis Ende des laufenden Jahres nach und nach aus dem aktiven Geschäft zurückziehen. Deshalb war es wichtig, professionell die Weichen zu stellen und mit Manfred Schlumberger frühzeitig einen ausgewiesenen Experten an Bord zu holen, der nicht nur die Philosophie unseres Hauses verstanden hat und lebt, sondern auch für einen nahtlosen Übergang im Management unserer diversen Strategien sorgen wird. Mit Michael Merz und Norbert Keimling haben wir zudem seit Jahren hervorragende Köpfe, die unsere Philosophie tragen.

Vor diesem Hintergrund ist Ihr Wechsel zu Starcapital noch besser einzuordnen, Herr Schlumberger. Was haben Sie sich vorgenommen?

Manfred Schlumberger: Unser Ziel mit der Bellevue Gruppe ist es, noch mehr Gas zu geben und in den nächsten fünf Jahren zu den bedeutendsten bankenunabhängigen Vermögensverwaltern im deutschen Markt aufzusteigen. Wir streben eine Verdopplung des von uns verwalteten Vermögens auf rund fünf Milliarden Euro an. Da ist es klar, dass wir uns sukzessive verstärken und das Produktangebot erweitern, beispielsweise mit der kürzlich aufgelegten Emerging Markets Strategie.

Das Haus Starcapital ist ja für seine oft konträre Sicht auf die Entwicklung der Kapitalmärkte bekannt. In Ihrem jüngsten Lagebericht sprechen Sie von möglichen Bewertungen an den Aktienmärkten, die einem KGV von sage und schreibe 33 entsprächen. Dennoch könne die Party an den Aktienmärkten länger andauern, als die meisten sich das vorstellen können, heißt es. Ist das nicht eine etwas sehr steile These?

Huber: Man darf natürlich nicht verkennen, dass der derzeitige Börsenaufschwung inzwischen mehr als acht Jahre anhält und damit bereits ein sehr reifes Stadium erreicht hat. Ein Treiber war dabei die ultralockere Geldpolitik der Notenbanken, die die Märkte regelrecht aufgepumpt hat, sodass sich inzwischen entsprechende Blasen gebildet haben, insbesondere am amerikanischen Aktienmarkt. Und auch wenn die Stimmung nach wie vor teilweise euphorisch ist, so fürchten viele Börsenexperten gerade deshalb eine bevorstehende scharfe Börsenkorrektur und raten zur Vorsicht. Wir sind in dieser Beziehung durchaus anderer Ansicht.

Das heißt, dass man trotz einer möglichen Korrektur Aktien kaufen sollte?

Schlumberger: Zunächst einmal wäre eine stärkere Korrekturphase durchaus gesund. Unsere eigenen umfangreichen Analysen der US-Bullen- und Bärenmärkte seit dem Jahr 1870 belegen, dass solche Phasen mit Kursverlusten von mehr als 20 Prozent völlig normal sind und langfristig interessante Einstiegschancen gerade für antizyklische Anleger bieten. Das Problem dabei: In der Regel lässt sich nicht prognostizieren, wann solche Korrekturen einsetzen. Das kann morgen, aber auch erst in drei bis vier Jahren eintreten.

Aber stehen Sie mit dieser Erkenntnis nicht dünnem Eis, um einen weiteren Aufschwung an den Aktienmärkten zu rechtfertigen?

Huber: Wenn wir uns auf die reinen Zahlen verließen, wäre das vielleicht der Fall. Wir wissen aber aus der Erfahrung auch, dass Aufwärtsbewegungen an den Aktienmärkten selten an Altersschwäche sterben. Und auch die Statistik belegt, dass es in der Vergangenheit zahlreiche Haussephasen mit deutlich höheren prozentualen Kursanstiegen als in der aktuellen Bewegung gegeben hat. In den meisten Fällen enden Aufschwungphasen dadurch, dass eine restriktiver werdende Notenbankpolitik zu einem konjunkturellen Abschwung führt. Dazu reichen die bisherigen Zinsanhebungen aber bei weitem nicht aus, auch wenn wir von einem bevorstehenden Paradigmenwechsel an den Rentenmärkten ausgehen.

Schlumberger: Man darf zudem nicht vergessen, dass die Zinsentwicklung natürlich von zentraler Bedeutung für die Entwicklung an den Kapitalmärkten ist. Die Bewertung von Aktien und Anleihen hängt gewissermaßen direkt voneinander ab. Entsprechend wird der innere Wert einer Aktie - und das gilt logischerweise auch für die Märkte insgesamt - als der abdiskontierte Barwert der künftigen Unternehmensgewinne definiert. Und bei den Unternehmensgewinnen kann man davon ausgehen, dass sie aufgrund der wachsenden Weltbevölkerung und zahlreicher Innovationsschübe – Stichworte sind Biotechnologie, alternative Energien, autonomes Fahren, Robotics und Digitalisierung – weiter mit rund vier Prozent nominal jährlich, also wie im Durchschnitt der letzten 130 Jahre, wachsen werden.

Um dieser Rechnung zu folgen, dürften die Zinsen aber nicht weiter als bis auf ein Niveau von drei Prozent steigen, oder?

Huber: Das werden sie auch nach unserer Erwartung nicht, zumal wir angesichts einer Rendite von derzeit 0,3 Prozent bei zehnjährigen Bundesanleihen noch weit entfernt sind von einer solchen Marke. Wir gehen von einer Verzehnfachung des Zinsniveaus auf drei Prozent im Laufe der nächsten fünf Jahre aus. Viel mehr wird aber angesichts der immer noch hohen Staatsverschuldung nicht drin sein beim Zinsniveau. Aber genau das ist gemeint, wenn wir eben von einem Paradigmenwechsel im Rentenmarkt gesprochen haben. Denn die neue Normalität an den Zinsmärkten dürfte sich nach unserer Erwartung langfristig bei drei Prozent statt bei den bisher gewohnten sechs Prozent in der Zehn-Jahres-Rendite einpendeln. Nach dem sogenannten Fed-Modell ergäbe sich daraus für die Aktienmärkte als innerer Wert eben ein KGV von 33.

Stellt das ein Haus wie Starcapital nicht Probleme angesichts der Tatsache, dass Sie auch diverse Rentenprodukte im Angebot haben?

Schlumberger: Warum sollte das ein Problem sein? Man muss nur verstehen, dass mit einem einfachen Long-only-Investment in Renten künftig kaum noch etwas zu verdienen sein wird. Deshalb haben wir bereits damit begonnen, gezielt Short-Positionen an den Rentenmärkten einzugehen. Damit lässt sich auch in einem Szenario steigender Zinsen durchaus gutes Geld verdienen. Das gilt im Übrigen nicht nur für unsere Rentenfonds, sondern auch für unsere Multi-Asset-Mandate wie den Starcapital Allocator.

Vielen Dank für das Gespräch. (hh)


Das vollständige Interview lesen Abonnenten von FONDS professionell in der Ausgabe 1/2018 unseres Magazins, das Ende März bei den Lesern sein wird.