Eine langjährige Forderung österreichischer Bankmitarbeiter nach zeitgemäßeren Fort- und Weiterbildungsstandards erfüllt sich zumindest für die rund 15.000 Beschäftigten der Sparkassen und der Erste Bank. Ein neuer Bildungs-Kollektivvertrag weitet den Zugang zu Angeboten stark aus und räumt dem einzelnen Individuum mehr eigenen Entscheidungsspielraum ein.

Neu ist zum Beispiel, dass sämtliche Bildungsinhalte unabhängig von Alter, Aufgabenbereich und Arbeitszeitausmaß allen gleichermaßen zur Verfügung gestellt werden. Damit haben etwa Voll- und Teilzeitkräfte den selben Anspruch und Zugang zur Weiterbildung. Das wiederum ist angesichts der höheren Teilzeitquote bei Frauen ein Schritt zur Geschlechtergleichstellung.

Zukunftsgerichteter Teil
Ebenfalls neu ist, dass Mitarbeiter einen Teil ihrer Qualifizierung selbst wählen können. Für den Bildungs-KV wurde ein Pyramiden-Modell gestaltet, wie aus einer Aussendung von Gewerkschaft und Sparkassenverband hervorgeht. Auf der ersten Stufe stehen Basisinformationen wie Strategie des Unternehmens, Sicherheitsfragen, Compliance, Marktpositionierung Datenschutz. Stufe zwei sieht Lerninhalte vor, "die den Beschäftigten helfen, ihre aktuellen Aufgaben gut erfüllen zu können". Auf der dritten Stufe geht es um zukunftsgerichtete Bildungsinhalte. In der letzten Kategorie könnten die Mitarbeiter selbst bestimmen, erklärt Kai Schubert, Pressesprecher des Sparkassenverbands gegenüber der Redaktion.

Mehr Selbstbestimmung ist seit langem eine Forderung der Belegschaft österreichischer Kreditinstitute. Mehr Freiheit ermöglicht es, die Weiterbildung den eigenen Karrierevorstellungen anzupassen. Neuorientierungen werden so erleichtert. Außerdem steigt der Spielraum, individuell auf die Herausforderungen der Digitalisierung zu reagieren.

Änderung der Perspektive
Ein Nebenaspekt ist, dass der Rechtstext in der weiblichen Form formuliert wurde, wenngleich wie üblich beide Geschlechter gemeint sind. "Es lohnt sich auch bei Texten einmal die Perspektive zu verändern", meint Sabine Mlnarsky, Personalchefin der Erste Bank in einer Aussendung.

Keine Änderungen gebe es bei finanziellen Zuschüssen oder bei der eingeräumten Zeit, wie Sparkassenverband-Sprecher Schubert erklärt. Weiterbildungen würden weiter mit der Führungskraft individuell vereinbart.

"Haben das bereits bei anderen Sektoren angesprochen"
Den neuen Bildungs-KV haben der Österreichische Sparkassenverband und die Gewerkschaft GPA im Jänner abgeschlossen. Das Vertragswerk könnte nun als Vorlage in weiteren Bankengruppen dienen. "Wir haben das bereits bei anderen Sektoren angesprochen. Die Banken sind gerade dabei, sich den Bildungs-KV der Sparkassengruppe durchzulesen. Wir werden das in den kommenden Verhandlungen weiter zum Thema machen", sagt GPA-Verhandlerin Helga Fichtinger gegenüber FONDS professionell ONLINE. (eml)