Diese Botschaft dürfte Musik in den Ohren aller "Bonusritter" im Bankgewerbe sein: Die Kreditinstitute sollten ihren Mitarbeitern ruhig hohe Erfolgsprämien zahlen, schreibt Soziologin Barbara Kuchler in einem Gastbeitrag für die "Süddeutsche Zeitung" (SZ). Üppige Boni seien ein positives Signal an die Kunden: Sie zeigten, dass auch deren eigenes Geld bei der Bank gut aufgehoben ist. "Deshalb gehört ein gewisser Reichtum seit jeher zu den Berufsmerkmalen von Bankern. Man trägt stilvolle Kleidung, fährt in dicken Karossen herum und residiert in feudalen Gebäuden", so Kuchler.

Symbolische Inszenierungen sind nicht neu in der Branche. Banken haben in der Vergangenheit öfters darauf zurückgegriffen. Um zu vermeiden, dass Anleger ihre Einlagen abziehen, ließen Bankmanager in der Vergangenheit beispielsweise gut sichtbar Goldbarren im Kassenraum aufstapeln, um die Unerschöpflichkeit der eigenen Geldvorräte zu signalisieren.

"So gesehen sind die üppigen Gehälter in der Bankbranche sinnlos und sinnvoll zugleich", erklärt Kuchler. Sinnlos sind sie der Soziologin zufolge deshalb, weil die Höhe sich nicht an der erbrachten Leistung misst. Boni sind allenfalls ein Mittel, um Personal zu halten, das sonst zur besser zahlenden Konkurrenz wechseln würde. Gleichzeitig sind Boni aber auch sinnvoll, weil sie auf der symbolischen Ebene den Sinn und Zweck des Bankengeschäfts symbolisieren. "Da die symbolische Dimension des Lebens unausrottbar ist, ist kaum zu hoffen, dass sich das in absehbarer Zeit ändern lässt", konstatiert Kuchler. 

Umdenken in der Finanzbranche
Auch Ärzte und Jäger bedienen sich des Stilmittels der symbolischen Inszenierung. Bei Ärzten gehört das Tragen weißer Kittel zum Berufsbild, weil die Farbe Weiß Sauberkeit symbolisiert. Jäger laufen traditionell in grüner Kluft herum – obwohl man inzwischen weiß, dass sie eigentlich Orange tragen müssten, weil Rehe und Wildschweine für diese Farbe blind sind.

Anders als bei Bankern sind die textilen Symbole allerdings kaum mit Zusatzkosten verbunden. Kuchler plädiert deshalb für ein Umdenken in der Finanzbranche: "Schön wäre, wenn Banker ihr Gerede von Leistung und Wettbewerb einstellen würden und den Sinn der Boni eher auf der instrumentellen, handfesten Ebene postulieren würden." Ärzte behaupten schließlich auch nicht, dass das Weiß ihrer Kittel die Heilungschancen der Patienten erhöhen würde. (fp)