Die Commerzbank verkauft ihre Sparte Equity Markets & Commodities (EMC) an die französische Großbank Société Générale. Dies teilten die beiden Geldhäuser mit. Zu dem Bereich EMC gehört auch das Asset Management samt der ETF-Sparte Comstage. Das Pariser Institut wiederum besitzt mit Lyxor einen der drei größten ETF-Anbieter in Europa. Die Sparte EMC erwirtschaftete 2017 Bruttoerträge in Höhe von 381 Millionen Euro. Mehr als 500 Menschen arbeiten in diesem Bereich – das entspricht dem halben Handelssaal der Commerzbank. Einen Kaufpreis nannten die Parteien nicht.

Das zweitgrößte deutsche Institut hatte schon Ende September 2016 angekündigt, die Sparte in einer eigenen rechtlichen Einheit bündeln und dann abstoßen zu wollen. Im März 2018 wurde dann bekannt, dass die Commerzbank nur noch mit der Société Générale über den Verkauf verhandelt. Die Franzosen hatten sich in dem Bieterwettstreit offenbar gegen Goldman Sachs durchgesetzt. Zuvor soll sich die britische Barclays aus dem Interessentenkreis zurückgezogen haben. Commerzbank-Vorstandschef Martin Zielke möchte mit dem Verkauf das Eigenkapital der Bank stärken und den Fokus künftig auf das Kerngeschäft mit Privat- und Firmenkunden richten.

"Hohes Potenzial an Synergien"
"Mit dieser Vereinbarung erreichen wir einen weiteren Meilenstein in der Umsetzung der Strategie Commerzbank 4.0", sagte Zielke einer Mitteilung zufolge. "Wir vereinfachen unser Geschäft, zahlen auf unsere Kostenziele ein und setzen Kapital für unser Kerngeschäft mit Privat- und Firmenkunden frei", so Zielke weiter. Die Commerzbank will durch den Verkauf ihre Kostenbasis bis Ende 2020 um mindestens 200 Millionen Euro drücken.

"Die Société Générale und der EMC-Bereich der Commerzbank sind komplementär und bieten ein hohes Potenzial an Synergien", lässt sich Séverin Cabannes, stellvertretender Vorstandschef der Société Générale, in einer Mitteilung zitieren. "Zusätzlich – neben der Ergänzung der Lyxor ETF-Plattform – würde sich diese Transaktion transformierend auf unsere Aktivitäten in Deutschland auswirken und uns zu einer stärkeren Stellung im Markt der führenden Wirtschaft in der Eurozone verhelfen." Beide Parteien beteuern gegenüber den Kunden, dass der Übergang reibungslos verlaufen solle.

Ausbau des ETF-Bereichs
Die französische Großbank betont, dass sie mit der Übernahme ihre Position im Bereich Derivate und Investment-Lösungen über unterschiedliche Anlageklassen hinweg stärke, die Marke Lyxor im europäischen ETF-Markt weiterentwickle und ihr Angebot im aktiven Management abrunde. Lyxor verwaltet ein Vermögen von rund 64 Milliarden Euro. Der Transaktion müssen noch die nationalen Behörden sowie die Arbeitnehmervertreter zustimmen. Die Franzosen gehen davon aus, dass sie die Genehmigungen für das Projekt im zweiten Halbjahr 2018 erhalten.

Die Commerzbank hatte in dem Bereich EMC vier verschiedene Geschäfte gebündelt: Das Segment "Flow" umfasst Derivate wie Optionsscheine und Differenzkontrakte, das Feld "Investmentprodukte" emittiert Anlagezertifikate wie Aktienanleihen oder Bonus-Strukturen. Das Segment "Market Making" umfasst hauptsächlich die Marktpflege und den Handel mit ETFs – nicht nur mit hauseigenen Indexfonds der Marke Comstage, sondern auch mit Passivprodukten anderer Anbieter. Auf dem Gebiet des Market Makings für ETFs gilt die Commerzbank als führende Investmentbank in Europa.

Zwölf-Milliarden-Geschäft
Beim vierten Bereich handelt es sich um das Asset Management. Er ist vor allem für die Comstage-ETFs bekannt, umfasst aber auch das wachsende aktive Asset Management mit eigenen Publikumsfonds und Mandaten für institutionelle Investoren. Hinzu kommen strukturierte Fondslösungen. Die Luxemburger Kapitalverwaltungsgesellschaft Commerz Funds Solutions verwaltet dem Branchenverband BVI zufolge per Ende April 2018 rund 11,9 Milliarden Euro.

Nicht Bestandteil der Transaktion sind nach Commerzbank-Angaben das Eigenkapitalmarktgeschäft, das das Begleiten von Unternehmen bei der Emission von Aktien und aktienbasierten Finanzierungsinstrumenten ("ECM – Equity Capital Markets") sowie den Aktienhandel ("Equity Trading") und den Aktienvertrieb ("Equity Sales/Brokerage") umfasst. Dies gelte auch für das Geschäft mit Absicherungsprodukten für Rohstoffrisiken. Diese Aktivitäten blieben Teil des strategischen Kundengeschäfts, heißt es. (ert)