So schützt der größte Fonds der Welt sein Geld mit KI
Der norwegische Staatsfonds nutzt künstliche Intelligenz, um sein Vermögen von zwei Billionen Dollar gezielter vor Klimarisiken zu schützen. KI soll helfen, Datenfluten zu analysieren, Unternehmensdialoge auszuwerten und klimabezogene Investitionsentscheidungen zu optimieren.
Norwegens Staatsfonds, der Government Pension Fund Global (GPFG), setzt künftig verstärkt auf künstliche Intelligenz (KI), um sein Portfolio im Wert von zwei Billionen US-Dollar besser vor Klimarisiken zu schützen.
Norges Bank Investment Management (NBIM), die den Fonds verwaltet, will KI für zahlreiche Aufgaben einsetzen – unter anderem, um "Signale aus Unternehmensdialogen zu extrahieren", heißt es im Klimaplan 2030 des weltweit größten Fonds. Zudem soll KI die Entscheidungsfindung verbessern und "die Investmentprozesse über alle Teams hinweg stärken", um Unternehmensgewinner und -verlierer schneller zu identifizieren.
KI-Fan Tangen treibt Offensive voran
"KI hat unsere Arbeit beim Thema Klima grundlegend verändert", sagte Fondschef Nicolai Tangen gegenüber der Nachrichtenagentur "Bloomberg". Sie helfe, "Berge von Informationen in klare Erkenntnisse zu verwandeln, auf deren Basis wir sofort handeln können".
Der 59-jährige frühere Hedgefonds-Manager gilt als bekennender KI-Enthusiast. In einem Interview im Mai sagte Tangen, er renne "wie ein Verrückter" durch die Büros, um Mitarbeiter zum Einsatz der Technologie zu bewegen – und dass Angestellte, die sich ihr verweigerten, "nie befördert werden" würden.
Künstliche Intelligenz im Investmentprozess
Der Fonds, der im Wesentlichen als Index-Investor agiert, zählt damit zu den lautesten Befürwortern von KI in der Investmentbranche. Andere Vermögensverwalter warnen hingegen vor einer übermäßigen Abhängigkeit von der Technologie. Milliardär Ken Griffin erklärte jüngst, generative KI helfe Hedgefonds bislang nicht, marktüberlegene Renditen zu erzielen.
Bei NBIM in Oslo bewährt sich KI bereits bei der Überprüfung, ob die Klimastrategie des Fonds greift, sagte Tangen. Dazu zählen die Bewertung der Wirksamkeit von Unternehmensgesprächen, die Auswertung von Daten für Stimmempfehlungen bei Aktionärsabstimmungen und die Erstellung quantitativer Klimascores.
"Portfoliomanager erhalten diese Informationen direkt in ihren Handelssystemen", erklärte Tangen. KI könne dabei helfen, "Übergangsgewinner" zu identifizieren – also Unternehmen, "die schneller und effektiver dekarbonisieren, als es der Markt erwartet".
Mehr Investitionen in Erneuerbare-Infrastruktur
Die physischen Auswirkungen des Klimawandels nehmen zu, was den Druck auf Investoren erhöht, rasch zu handeln. NBIM will seine Investitionen in Infrastruktur für erneuerbare Energien ausweiten – insbesondere in Stromerzeugung und -speicherung, Stromnetze und Fonds für erneuerbare Energieinfrastruktur.
Umweltorganisationen loben, mahnen aber Umsetzung ein
Umweltorganisationen begrüßten den überarbeiteten Klimaplan grundsätzlich, wollen die Umsetzung jedoch genau beobachten. Die bisherigen Fortschritte bei der Erfüllung des 2025-Plans seien enttäuschend gewesen, sagte Lucy Brooks, Beraterin der Nichtregierungsorganisation Future in Our Hands.
Sie lobte die klarere Ausrichtung des 2030-Plans und betonte, dass die Verbindung zwischen Klima und finanziellem Risiko stärker hervorgehoben werde. Die Glaubwürdigkeit des Fonds hänge jedoch "von der Umsetzung, nicht von der Sprache" ab.
Fortschritte seit 2022
Seit Veröffentlichung des ersten Aktionsplans 2022 habe NBIM fast 1.000 klimabezogene Treffen mit Portfoliounternehmen abgehalten. Der Anteil der Firmen mit wissenschaftlich fundierten Netto-Null-Zielen sei von zwölf auf 34 Prozent gestiegen, teilte der Fonds mit. (mb/Bloomberg)















