Die Erschütterung der Finanzmärkte aufgrund der Ausbreitung der Corona-Pandemie war der erste echte Härtetest für die noch junge Zunft der digitalen Vermögensverwalter. FONDS professionell hat Österreichs Robo-Anbieter nach ihrer Performance und ihren Erfahrungen gefragt. Savity (Advisory Invest/Bawag), Partnerbank, Invest Manager (Erste Bank), Finabro und Dadat hatten in der heißen Phase von 20.2 bis 30.4. Rückgänge im Bereich zwischen gut fünf und über zehn Prozent. Genaue Angaben finden Sie in einem Artikel, der in der neuen Printausgabe von FONDS professionell erschienen ist.

Kunden stiegen gezielt ein
Der Performance-Test zeigt nicht nur, dass sich die heimischen Anbieter mit den Kollegen am großen deutschen Markt durchaus messen können. Erstaunlich war in der Erhebung, dass die digitalen Berater in Österreich sehr hohe Zuwächse beim verwalteten Kundenvermögen hatten. "Wir hatten von 20. Februar bis 30. April trotz börsenbedingt sinkender Assetpreise einen Zuwachs des verwalteten Vermögens um mehr als zehn Prozent", sagt Karin Kisling, Mitgründerin und Geschäftsführerin des Wiener Robo-Advisors Savity. "Diese große Nachfrage haben wir nicht erwartet. Das ist ein echtes Vertrauensvotum“, so Kisling. Man habe bei der Online­analyse des eigenen Vertriebsportals gesehen, dass einige Besucher den Robo schon länger beobachtet haben – in der Zeit nach dem Crash, der am 24. Februar einsetzte, griffen etliche dieser Besucher dann gezielt zu.

Insgesamt kam der größte Zustrom aber nicht aus dem eigenen Vertrieb, sondern über die Direktbank Easybank, die seit Mitte 2019 Kooperationspartner ist. Kislings Robo verfolgt eine Mischung aus aktiv und passiv und kam damit gut durch die Krise. Geholfen habe Savity, dass der Algorithmus stark auf die Volatilität achtet und hier bereits früh Signale zur Portfolioumschichtung ausgesendet hat. "Wir haben schon im Jänner begonnen, defensiver zu investieren, haben Value und Convertibles aufgenommen oder einen aktiven Fonds wie Flossbach von Storch, und wir sind seit Langem wieder in Investment Grade", sagt Kisling. Gerade in schwierigen Marktphasen zahle es sich aus, über aktiv gemanagte Fonds in bestimmte Assetklassen zu gehen, die entweder komplex sind oder in Krisen abstürzen – etwa Wandelanleihen oder Emerging Markets Fixed Income.

Sparkassen-Robo
Einen Variantenmix aus aktiv und passiv verfolgt auch der Ende 2019 online gestellte "Invest Manager" der Erste Bank und Sparkassen. Er geht sogar überwiegend in aktive Fonds, darunter solche der hauseigenen Fondsgesellschaft Erste Asset Management (Erste AM). Stefan Schulmeister, Investmentchef Erste AM, sieht die Krisenfestigkeit des eigenen Modells, das antizyklisch agiert, bestätigt. Besonders gut habe die Erholung nach dem Abschwung funktioniert: "Wir kaufen Anlageklassen, die überproportional verloren haben, und nehmen Gewinne bei Anlageklassen mit, die sich besonders gut entwickelt haben", sagt er. In der Krise seien sichere Staatsanleihen verringert und Aktien oder Hochzinsanleihen aufgebaut worden. "Davon haben wir jetzt in der Erholungsphase profitiert", so Schulmeister.

Diesen Aufschwung dürften etliche Neukunden beim Invest Manager ebenso gezielt abgewartet haben wie bei Savity: "Wir hatten in der Krise ein paar wenige Kündigungen, aber vor allem Neuabschlüsse", lautet auch hier der überraschende Schluss. "Unsere Hypothese ist, dass diese Krise leichter verstanden wird und sie daher weniger Ängste schürt als etwa die Finanzkrise. Man geht offensichtlich von einer Normalisierung aus und sieht damit eine Chance", sagt Schulmeister.

Aktiv versus passiv
In der Erhebung zeigt sich, dass aktiv oder passiv in der Performance keinen Unterschied macht. Es kommt eher auf die Strategie im Hintergrund an. Den rein passiven deutschen Anbieter Scalable, der auch Kooperstionspartner des Raiffeisen-Robos „Will“ ist, hat es zum Beispiel mit sehr hohen Abschlägen stark erwischt. Dagegen kamen in Österreich Dadat oder Finabro rein mit passiven ETFs gut durch die Krise. Savity-Chefin Kisling bricht eine Lanze für Scalable: "Es ist ein extrem kurzer Zeithorizont, über den wir reden. Wir schauen auf drei Monate oder ein Jahr. Investmentprozesse ­beweisen sich aber über einen Konjunktur­zyklus hinweg. Das wirkliche Urteil können wir erst sprechen, wenn wir einen Zyklus ­absolviert haben", so Kisling.

Partner Bank: Einzelaktienerfolg
Top-Performer in der FONDS professionell Erhebung war eine der Robo-Advisory-Strategien der Linzer Partner Bank, in der neben ETFs auch Einzelaktien zum Einsatz kommen. Sie überstand die heiße Phase mit einem Minus von nur 5,7 Prozent. Die Modelle hätten sich als sehr ­robust erwiesen und seien nicht verändert worden. Bei den Direktinvestments habe sich bestätigt, „dass die besten Einzeltitel dem Markt überlegen sind, wenn sie in einer gut ausgerichteten Vermögensverwaltung gehalten werden", sagt Bankvorständin Sarvenas Enayati. Die Vermögensverwaltung in Direktaktien habe deutlich weniger Verluste verzeichnet und sich auch schneller erholt, so die Expertin.

Auch sie sieht derzeit enormen Zulauf: "Im ersten Quartal 2020 verzeichnen wir im ­Bereich Robo-Advice einen Anstieg der Kunden von 60 Prozent zum ersten Quartal 2019", sagt Enayati. (eml)