Die meisten Menschen arbeiten, um zu leben – manche aber leben, um zu arbeiten. Beides ist nicht per se verkehrt, sondern zeigt, dass Arbeit für jeden Menschen ein unterschiedliches Gewicht und eine unterschiedliche Sinnhaftigkeit besitzt, sagt Kommunikationstrainer und Buchautor Stefan Häseli. Gefährlich wird es aber, wenn sich das Arbeiten zur Sucht entwickelt.

Workaholics erkennt man daran, dass sie ein typisches Suchtverhalten an den Tag legen, schildert der Experte: Ihr gesamtes Selbstwertgefühl fußt auf ihrer Arbeit, sie sind nicht mehr in der Lage, sich von ihrem Job abzugrenzen, arbeiten zwanghaft immer mehr und pflegen dabei zudem einen ausgeprägten Perfektionismus.

Vorsicht bei diesen Symptomen
Häseli hat eine Liste mit Anzeichen zusammengestellt, anhand derer sich Arbeitnehmer selbst überprüfen können:

  • Denken Sie auch außerhalb Ihrer Arbeitszeit stets oder auffallend oft an den Job?
  • Überlegen Sie, wo Sie noch mehr Zeit zum Arbeiten herbekommen können, opfern dafür sogar Hobbys und soziale Kontakte?
  • Verlieren Sie die Fähigkeit, Prioritäten zu setzen, weil alles immer perfekt sein muss?
  • Verfolgen Sie verbissen Ziele oder Pläne, die Sie um jeden Preis durchsetzen wollen?
  • Wissen Sie selbst insgeheim, dass Sie im Grunde zu viel arbeiten?

Weitere Indizien für "Workaholismus" können sein, dass man trotz sorgfältiger Planung regelmäßig mehr Zeit mit der Arbeit verbringt, als man sich vorgenommen hat. Das kann im nächsten Schritt dazu führen, dass man Termine vergisst, Langfrist-Aufgaben vor sich herschiebt, zunehmend Probleme hat, Entscheidungen zu treffen, und ohne Arbeit womöglich sogar körperliche Entzugserscheinungen zeigt - zum Beispiel in WLAN-freien Zonen, bei Krankheit oder, schlimmer geht es kaum noch, im Urlaub mit der Familie oder Freunden. "Häufig betroffen sind vor allem Führungskräfte und Selbstständige, die sich derart ins Zeug leben und anhand von Erfolgen und Ergebnissen, Zuspruch und weiteren Aufträgen oder Projekten eine hohe Befriedigung erleben", präzisiert Häseli. Wer permanent mehr als 50 Stunden pro Woche arbeitet, kommte dem Workholismus bereits sehr nahe, so seine Beobachtung.

So werden Sie "clean"
Das nächste Problem: Wer befürchtet, arbeitssüchtig zu sein, kann nicht wie andere "Abhängige" einfach auf Entzug gehen. Man sollte aber Freunde und Familie einweihen, rät Häseli. "Erlauben Sie, explizit darauf angesprochen zu werden, wenn Sie zu viel arbeiten." Es kann helfen, Freizeitterminen dieselbe Relevanz beizumessen wie beruflichen und sie mit derselben Akribie wahrzunehmen. 

Ebenfalls hilfreich, wenn auch nicht neu: Das Smartphone nach Feierabend bewusst ausschalten, um die Arbeit aus den Gedanken zu verbannen. "Lernen Sie, Vertrauen zu haben", rät Häseli außerdem. "Das schafft die Möglichkeit, zu delegieren." Und schließlich sollte man sein Selbstwertgefühl nicht ausschließlich von seiner Arbeit abhängig machen. Auch das dürfte für manche Menschen ein schmerzhafter Prozess sein. (fp/ps)