Die Schweizer Privatbanken-Landschaft wird übersichtlicher: Gab es noch vor zehn Jahren 158 Institute, werden es Ende dieses Jahres wohl nur noch 93 sein, prohezeit die "Neue Züricher Zeitung" (NZZ). Zu diesem Resultat kommt eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG und der Hochschule St. Gallen. Die Pandemie hat den Trend beschleunigt. "Von Mitte 2020 bis Mitte 2021 gab es acht Konsolidierungsaktionen", sagt Christian Hintermann, Partner bei KPMG. Er erwartet, dass sich die Zahl der Privatbanken in der Schweiz mittelfristig um ein weiteres Viertel reduzieren wird. 

Besonders kleinere Privatbanken haben es schwer. Laut Hintermann leiden die Institute, die weniger als fünf Milliarden Franken Vermögen verwalten, besonders unter der seit Jahren rückläufigen Zinsmarge und hätten kaum noch Spielraum, Kosten zu senken. Von den 83 Privatbanken, die die Studienautoren untersucht haben, fuhren 17 operativ Verluste ein, berichtet die NZZ. Die kleinen Privatbanken müssen nun nach Lösungen suchen – und beispielsweise durch die Fusion mit einem ähnlich großen Rivalen eine kritische Größe erlangen, sagt Hintermann. 

Polarisierung nimmt zu 
Gleichzeitig gebe es einige kleinere Institute, die ertragsstark seien, beispielsweise weil sie sich mit hoher Expertise auf bestimmte Märkte spezialisiert haben oder sich ausschließlich auf Schweizer Kunden konzentrieren. Dies habe die Ansprache bestehender und die Gewinnung neuer Kunden erheblich erschwert. Insgesamt nehme die Polarisierung zu: Während große und mittelgroße Privatbanken trotz der pandemiebedingten Reisebeschränkungen neue Kundengelder in Rekordhöhe eingesammelt hätten, zogen die Kunden der kleinen Häuser im Saldo Geld ab, sagt Hintermann laut der NZZ. (fp)