Betritt man das Gebäude in der Renngasse 3 in Wien, weiß man, wie es aussieht, wenn Tradition auf Moderne trifft. Einst gehörte das Palais Salomon Freiherr von Rothschild, der hier sein Bankhaus S. M. v. Rothschild gründete. Und die historische Fassade des Gebäudes befindet sich im Originalzustand, dahinter verbirgt sich heute aber ein hochmodernes Bürogebäude, das dennoch an einigen Stellen die bewegte Geschichte des Hauses erahnen lässt. Seit 1951 betreut die im Jahr 1833 von Alexander von Schoeller gegründete Schoellerbank von hier aus die Geldangelegenheiten ihrer wohlhabenden Klientel. Ab 2001 war sie eine Tochter der Bank Austria und seit 2005 ist das Institut eingebettet in die Division Private Banking der Unicredit und somit heute Teil der Unicredit-Gruppe. Im Verbund des Unicredit Wealth Management wurde sie erst kürzlich zum Kompetenzzentrum für besonders vermögende Kunden. 

Laut Franz Witt-Dörring, der die Geschicke der Bank seit Juni 2012 lenkt, wurde erkannt, dass die Schoellerbank in Österreich für den Bereich Wealth Management prädestiniert ist. "Wir haben uns dieses Standing über die Jahre erarbeitet und kümmern uns weiterhin um sehr anspruchsvolle Kunden. Dabei sehen wir, dass die Zahl der größeren Kunden im Lauf der Zeit gestiegen ist. Zu unseren insgesamt 18.000 Kunden zählen neben vermögenden Privatkunden, Stiftungen und Unternehmen auch institutionelle Anleger mit speziellen Anforderungen an die Verwaltung ihrer Gelder", erklärt der Bank-Vorstand.

Vermögensverwaltung der Schoellerbank 
Im Konzern hat die Unicredit mit dem Bank Austria Private Banking hierzulande jedoch eine weitere Anlaufstelle für wohlhabende Kunden. Für Witt-Dörring gibt es allerdings deutliche Unterscheidungsmerkmale zwischen den Einheiten. So erklärt der Schoellerbank-Chef weiter: "Das eine ist das Private Banking einer Universalbank mit einem großen Netzwerk und starker Kompetenz im Kommerzgeschäft. Wir vergleichen uns hingegen eher mit anderen klassischen Privatbanken, die vor allem auf die Vermögensverwaltung spezialisiert sind. Die Bank selbst existiert ja schon sehr lange, die Spezialisierung auf vermögende Kunden gibt es seit etwa 26 Jahren. Seit damals gibt es auch die Vermögensverwaltung der Schoellerbank. Dies ist aus meiner Sicht auch ein Alleinstellungsmerkmal der Bank, kaum eine Privatbank kann über einen so langen Zeitraum eine eigene Vermögensverwaltung vorweisen."

Zudem ist die Schoellerbank die einzige Privatbank in Österreich, die schon seit vielen Jahren nahezu flächendeckend im ganzen Land vertreten ist. "Wir haben zehn Standorte und sind in allen Landeshauptstädten bis auf das Burgenland vertreten. In Salzburg und Oberösterreich betreiben wir sogar zwei Standorte", beschreibt Witt-Dörring die regionale Aufteilung. 

Wettbewerb bleibt stark
Dabei gibt der Private-Banking-Profi durchaus zu, dass der Konkurrenzdruck in Österreich groß ist. Vom Konsolidierungsprozess der letzten Jahre konnte man allerdings auch profitieren. "Der Wettbewerb ist in Österreich aber weiterhin stark, es gibt viele gute Institute, das zeigt sich auch bei den internationalen Untersuchungen, österreichische Institute liegen hier immer im Spitzenfeld. Der doch recht kleine Markt und der starke Wettbewerb haben dazu geführt, dass sich die Privatbanken hierzulande ständig weiterentwickeln müssen und dadurch auch besser werden", erklärt der Bank-Chef. 

Niedrige Ertragsmarge
Der starke Wettbewerb drückt weiterhin auch auf die ohnehin schon niedrigen Margen. Laut "zeb Private Banking Studie Österreich – 2018" liegt die Ertragsmarge in Österreich deutlich unterhalb des deutschen Marktes und weist ebenso wie dort eine sinkende Tendenz auf.

Witt-Dörring bestätigt dies und meint, dass das Umfeld schon eine gewisse Größe verlangt. In Österreich sieht er ein Volumen von fünf Milliarden Euro als kritische Größe, die man bei diesen Margen schon haben sollte. "Sonst wird es schwierig, auch nachhaltig Geld verdienen zu können. Wir liegen im Bereich des verwalteten Vermögens aktuell bei zwölf Milliarden Euro", so Witt-Dörring abschließend. (gp)


Das gesamte Interview mit Schoellerbank-Vorstand Franz Witt-Dörring erscheint in der Heftausgabe 2/2019 von FONDS professionell, die Abonnenten dieser Tage zugestellt wird.