Die Polizei hat neue Erkenntnisse zum konzertierten Bankschließfach-Einbruch bei drei Geldinstituten in Wien und Niederösterreich bekanntgegeben. "Die Ermittlungen der Landeskriminalämter NÖ und Wien ergaben, dass 68 Schließfächer betroffen sind", teilt die Landespolizeidirektion Niederösterreich (LPD NÖ) mit. Davon befanden sich acht Schließfächer in der Raiffeisenfiliale in Wien Döbling, 29 in der Raiffeisenbank Mödling und 31 in der Bank-Austria-Filiale in Klosterneuburg, schreibt die Polizei. Ein Sprecher der Bank Austria hatte gegenüber der Redaktion Anfang dieser Woche noch erklärt, es seien nur "einige wenige" Fächer geknackt worden. De facto wurden hier aber laut Polizeiangaben die meisten Depots aufgebrochen.

Schaden könnte sich auf 25 Millionen Euro belaufen
Gestohlen wurden Juwelen, Gold, Uhren und Bargeld, die Schadenssumme beläuft sich laut den Ermittlern "auf eine zweistellige Millionenhöhe". Der "Kurier" berichtet, es dürfte sich um rund 25 Millionen Euro handeln. Der Schaden könne sich noch ausweiten.

Laut Polizeiangaben räumten mehrere unbekannte Täter am 13. November 2020, in der Zeit zwischen 18 Uhr und 23.14 Uhr die automatischen Safeanlagen der drei Geldinstitute aus. Die Täter verließen jeweils die Filialen mit Taschen oder Rucksäcken, so die LPD. Das Vorgehen war an allen drei Orten gleich: "Die Täter manipulierten vor dem 13. November 2020 jeweils den Schlitz für die Zutrittskontrolle der Geldinstitute, lasen dadurch die Daten ab und stellten Duplikate her. Gleichzeitig montierten die Täter in den Foyers der Banken geheime Kameras und filmten die Eingabe von Pin-Codes der Geschädigten ab", so die LPD-Experten.

Ermittlungen laufen auf Hochtouren
Anders als bis jetzt berichtet, wurde den Ermittlern zufolge auch mechanische Gewalt angewendet: Nachdem die Täter die Zutrittskontrolle überwunden und die PIN-Codes der Geschädigten eingegeben hatten, ließen sie sich die Schließfächer vom Tresorraum kommen und öffneten diese zum Teil gewaltsam. Die Ermittlungen der Landeskriminalämter Wien und NÖ würden weiterhin auf Hochtouren laufen.

Mehrere Anwälte bereiten wie berichtet Klagen vor. Die Banken übernehmen laut den Allgemeinen Geschäftsbedingungen nur 3000 bis 4000 Euro. "Das Sicherheitssystem der Selbstbedienungs-Safes erscheint uns höchst unsicher. Wir gehen davon aus, dass die Bank dafür jedenfalls haftet", so Peter Kolba vom Verbraucherschutzverein VSV. Sollten die Banken Schadenersatz verweigern, bemühe man sich um Sammelklagen. (eml)