Die Commerzbank hat mit einem Jahresgewinn von 2,63 Milliarden Euro die Analystenerwartungen übertroffen und einen neuen Aktienrückkauf über 540 Millionen Euro angekündigt. Aktionäre zeigten sich erfreut, die Aktie notierte am Dienstag (10.2.) zeitweise bis zu 2,3 Prozent im Plus.

Das Rückkaufprogramm soll noch in dieser Woche beginnen, wie aus einer Mitteilung des Instituts hervorgeht. Zudem will die Bank eine Dividende von 1,10 Euro je Aktie vorschlagen. Wie angekündigt will die Commerzbank ihren gesamten Gewinn an Investoren ausschütten. Analysten hatten mit einer Dividende von einem Euro je Aktie bei einem Gewinn von 2,52 Milliarden Euro gerechnet. Detaillierte Ergebnisse will die Bank am Mittwoch (11.2.) vorlegen.

Orlopp unter Druck – Unicredit bleibt Thema
Vorstandschefin Bettina Orlopp steht unter Druck zu zeigen, dass ihre Strategie zur Steigerung der Profitabilität und der Ausschüttungen an Aktionäre nachhaltig ist. Zugleich verteidigt sie das Institut weiter gegen einen unaufgeforderten Vorstoß des italienischen Rivalen Unicredit.

Während der Rückenwind durch steigende Zinsen nachgelassen hat, dürfte der Plan der Bundesregierung zur Ausweitung der Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur der Bank zugutekommen.

Stabiler Aktienkurs
Am Dienstagnachmittag notierte die Commerzbank-Aktie 1,9 Prozent höher bei 36,11 Euro. Damit liegt sie in etwa auf dem Stand vom Jahreswechsel. Im vergangenen Jahr hatte sich der Kurs mehr als verdoppelt.

Die gestiegene Bewertung sowie der Widerstand der Bundesregierung gegen eine Übernahme haben die Unicredit dazu veranlasst, eine Entscheidung über ein mögliches Angebot aufzuschieben. Die italienische Großbank hält rund 29 Prozent an der Commerzbank und ist damit größter Aktionär. Der deutsche Staat besitzt gut zwölf Prozent.

Die Unicredit hatte Anfang dieser Woche angekündigt, bis 2030 insgesamt 50 Milliarden Euro an Investoren zurückzugeben. Vorstandschef Andrea Orcel bekräftigte dabei, eine der großzügigsten Ausschüttungspolitiken in Europa fortsetzen zu wollen.

Kostensenkungen belasten Ergebnis
Teil von Orlopps Strategie ist es, die Profitabilität durch beschleunigte Kostensenkungen und Filialschließungen zu verbessern. Restrukturierungskosten belasteten im vergangenen Jahr das Ergebnis und führten dazu, dass der Gewinn im Vergleich zum Vorjahr zurückging.

Ohne diesen Effekt wäre der Nettogewinn um 13 Prozent auf einen Rekordwert von drei Milliarden Euro gestiegen, teilte die Commerzbank mit.

Risiko-Vorstand Spalt kündigt Rücktritt an
Unabhängig davon erklärte das Institut, dass Risiko-Vorstand Bernd Spalt aus persönlichen Gründen zurücktreten wird, wenn sein Vertrag Ende 2026 ausläuft. Die Commerzbank hat die Suche nach einem Nachfolger aufgenommen.

"Bernd ist nicht nur ein herausragender Risikovorstand, sondern auch ein sehr geschätzter Kollege", sagte Orlopp in einer Erklärung. "Ich respektiere seine Entscheidung, gleichzeitig bedauere ich sie aber sehr und wünsche ihm für die Zukunft nur das Beste." (mb/Bloomberg)