Eine einheitliche Raiffeisen-IT ist am Sektor ein heikles Thema. Seit Jahrzehnten versucht und doch nie erreicht, gibt es jetzt einen weiteren regionalen Schritt zur Bündelung von Kompetenzen. Die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich (RLB OÖ) und die kleinere RLB Steiermark wollen bei der IT näher zusammenrücken. Das geht aus einer Information der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) hervor.

Demnach will die Linzer BHG Beteiligungsmanagement und Holding GmbH, eine Tochter der RLB OÖ, die zur Raiffeisenlandesbank Steiermark gehörende Raiffeisen Informatik Center Steiermark GmbH (RICS) mit Sitz in Graz erwerben. Es soll ein gemeinsamer Full-Service-IT-Provider für Banken entstehen.

In den vergangenen Monaten seien "intensiv die Optionen einer strategischen Kooperation im Bereich Rechenzentrums-IT geprüft" worden, teilte ein Sprecher der RLB OÖ auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE mit. Strukturell betrachte man den Schritt nicht als Übernahme, sondern die beiden bestehenden Banken-Rechenzentren GRZ (Linz) und RICS (Graz) sollen zu einer neuen Gesellschaft verschmolzen werden.

"Fusion längerfristig kein Ziel"
Eine tiefere gesellschaftsrechtliche Verbindung zwischen den beiden Banken abseits der IT ist demnach nicht geplant. "Eine Fusion ist kein längerfristiges Ziel, im Fokus steht die Kooperation im IT-Bereich", so der Sprecher. Gleichwohl bleibt die Zusammenarbeit im Bankensektor, der von aufwändigen Regulierungen betroffen ist, ein Thema. "Darüber hinaus gibt und gab es auch bisher intensiven Austausch und Kooperationen auf vielen Ebenen im gesamten Raiffeisensektor, um weitere Synergiepotenziale zu heben", so der Sprecher.

Durch die IT-Kooperation erwarte man sich ein verbessertes Kundenservice so wie eine erhöhte Wettbewerbsfähigkeit der Raiffeisen-Bankengruppe. Ebenso spielt der gebündelte Wettbewerb um IT-Arbeitskräfte eine Rolle. Außerdem könnten durch "die rein österreichische Lösung" regionale Standorte erhalten und gestärkt werden, wie die beiden Generaldirektoren Heinrich Schaller (RLB OÖ) und Martin Schaller (RLB Steiermark) in einer Stellungnahme betonen.

Momentan viel Bewegung bei Rechenzentren
Dieser Hinweis dürfte auf den Konkurrenten ARZ (Allgemeines Rechenzentrum) gemünzt sein. Das ARZ ist der Dienstleister von Volksbanken sowie von einigen Hypos und Privatbanken und wird gerade durch das Beratungsunternehmen Accenture übernommen. Da Teile der Services nach Asien ausgelagert werden könnten, gilt der Deal als umstritten.

Am österreichischen Raiffeisensektor gibt es mehrere Rechenzentrumsdienstleister. Zwei große Blöcke sind dabei das Linzer GRZ (mit Kunden wie den RLBs OÖ, Tirol, Kärnten und Salzburg sowie 3 Banken und VKB) und die Wiener Raiffeiseninformatik (mit Kunden wie RLBs NÖ-Wien, Burgenland, Vorarlberg oder die Raiffeisen Bank International und deren Tochter Kathrein).

"Offen für weitere Kooperationen"
Eine sektorale IT aus einem Guss gibt es nicht. "Das gemeinsame neue IT-Unternehmen ist ein weiterer Schritt auf diesem Weg, der offen ist für weitere Kooperationen", sagte dazu der RLB-OÖ-Sprecher. Gleichzeitig gab es im Raiffeisensektor in den vergangenen Jahren umfassende Bemühungen, bei der Digitalisierung einheitlich vorzugehen. Der Sprecher verwies auf das gemeinsame Online-Banking "Mein Elba" sowie auf gewisse einheitliche Basis-Banksysteme, den gesamten Webauftritt oder Produktstrecken für Kunden. (eml)