Die Berliner Ratinggesellschaft Scope hat 35 Millionen Euro frisches Kapital eingesammelt. Einen Bericht der "Welt am Sonntag" bestätigte das Unternehmen auf Nachfrage von FONDS professionell ONLINE. Demnach gewann das Haus institutionelle Investoren aus Deutschland, Österreich sowie Luxemburg und der Schweiz als Großaktionäre. Darunter sind die drei deutschen Versicherer HDI, Signal Iduna sowie die SV Sparkassen-Versicherung. Aus der Schweiz ist die Mobiliar dabei, aus Luxemburg der Versicherer Foyer. Die in Wien beheimatete B&C Beteiligungsmanagement ist einer der österreichischen Investoren.

Die Ratingagentur hat sich zum Ziel gesetzt, sich als europäische Alternative zu den Platzhirschen Standard & Poor's, Moody's und Fitch zu etablieren. Diese drei Spieler dominieren den Markt für Bonitätsbewertungen weltweit. Scope war 2002 gegründet worden und hatte sich zunächst auf die Bewertung von Investments, wie etwa Fonds, spezialisiert. Seit 2012 stieß die Agentur schrittweise in die Bewertung der Kreditwürdigkeit von Unternehmen und Staaten vor. 2014 holte die Gesellschaft zudem den ehemaligen S&P-Deutschlandchef Torsten Hinrichs an Bord. Das Haus ist neben dem Hauptsitz Berlin auch in Frankfurt, London, Madrid sowie Mailand, Oslo und Paris vertreten.

"Nächste Wachstumsphase erreicht"
"Mit dem Einstieg der institutionellen Investoren haben wir jetzt die nächste Wachstumsphase erreicht", sagte Scope-Gründer und Vorstandschef Florian Schoeller der "Welt am Sonntag". Er wolle aber weiteres Geld einsammeln. "25 Millionen Euro brauchen wir bis zum Abschluss unserer Expansion in Europa."

Scope investiere derzeit intensiv, um bedeutende europäische Märkte abdecken zu können, teilten die Berliner weiter mit. Vorrangig nimmt die Agentur Frankreich, Spanien, Italien und Skandinavien ins Visier. Bis 2021 strebt Scope wird im Bereich der Unternehmensbewertung eine Marktabdeckung auf einem vergleichbaren Niveau wie dem der drei großen US-Ratingagenturen. Bereits jetzt erstellt Scope Bontitätsbewertungen für einige europäische Großbanken und Industriekonzerne, darunter Damiler, Lufthansa, Sanofi oder die UBS und die Commerzbank. Eine Branche klammern die Berliner allerdings bei ihren Bonitätsbewertungen aus. "Um die klare Trennung zwischen Kapitalbeteiligung und Bonitätsbewertung aber auch nach außen zu bewahren, wird Scope bis auf Weiteres keine Ratings von Versicherungsgesellschaften durchführen", heißt es von der Agentur.

"Jederzeit börsenreif"
Im Sommer kursierten zudem Meldungen über einen baldigen Börsengang der Berliner. Im Gespräch mit der "Welt" wollte sich Schoeller nicht darauf festlegen – angesichts der Marktlage kein Wunder. "Wir sind jederzeit börsenreif", so der Manager. "Aber es gibt mehrere Wege, weiteres Wachstum zu finanzieren, und wir berücksichtigen alle." (ert)