Raisin-Manager: "Wollen mit den Pools ins Gespräch kommen"
Die Einlagen- und Investmentplattform Raisin – früher als "Weltsparen.de" bekannt – kündigt neue Produkte an und will in Österreich wachsen. Walter Minehuber, Director für B2B-Partnerschaften, lotet Kooperationsmöglichkeiten aus, wie er im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE verriet.
Die auf Einlagen spezialisierte deutsche Online-Banking-Gruppe Raisin will global weiter wachsen und sieht dafür auch in Österreich gute Wachstumsmöglichkeiten. "Wir erwarten einen zweistelligen Prozentzuwachs bei den Kunden", sagte Matthias Rodenbücher, Länderchef für Deutschland, Österreich und die Schweiz (DACH), vor Journalisten in Wien.
Österreichische Kunden können über Raisin Tages- und Festgeldangebote von derzeit knapp drei Dutzend europäischen Banken vergleichen und bei diesen ihr Geld einlegen. Dafür erhält Raisin Provisionen von den Instituten. Für die Banken stellt das Einlagensammeln über Raisin wiederum eine unkomplizierte Möglichkeit der Liquiditätssteuerung dar.
Eigentarif vor Einführung in Österreich
Ankurbeln will das Unternehmen die Kundenakquise in Österreich über den Tagesgeldtarif "Startzins", der hierzulande im August kommen soll. Das in Deutschland bereits erprobte Produkt bietet drei Prozent Zinsen per annum bei einer Maximallaufzeit von drei Monaten. Im Unterschied zu den anderen Tarifen auf der Plattform handelt es sich um ein Eigenangebot der Raisin Bank (in Kooperation mit der Deutschen Bank).
Es entstehe keine Konkurrenz zu den Anbietern auf der Plattform, betonte Rodenbücher. "Wir gewinnen neue Kunden für die Plattform. Nach Ablauf der drei Monate steht das Geld zur Verfügung. Wir haben hohe Wechselraten aus diesem Produkt. Die Chancen, dass Kunden wieder bei uns abschließen, sind sehr hoch", sagte der Manager.
Kooperationen gesucht
Wachsen will Raisin nicht nur über das Geschäft mit Partnerbanken. Auch Vermögensberater und Maklerpools sind Teil der Strategie. "Das ist natürlich nicht unser größtes Geschäft, aber es ist signifikant", sagte der für die B2B-Partnerschaften zuständige Manager Walter Minehuber im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE. Diese Schiene sei in den vergangenen Jahren "sehr stark gewachsen", so Minehuber, ohne Zahlen zu nennen.
Besonders werden Kooperationen mit den großen Maklerhäusern ausgelotet. "Wir wollen ins Gespräch kommen mit den Pools. Interessant sind auch jene, die schon in Deutschland tätig sind. Da wollen wir erörtern, wie die Voraussetzungen sind, um zusammen nach Österreich zu gehen", so Minehuber.
Beratergeschäft "gezielter fördern"
In Deutschland habe man sowohl mit größeren Pools als auch mit Einzelmaklern eine "sehr starke" Zusammenarbeit. Teils können Kunden direkt über die Websites von Pools in die Raisin-Angebote einsteigen. "Wir sehen, dass der Beratermarkt dynamisch wächst und wollen das jetzt noch gezielter fördern", so Minehuber. Konkreter wollte er sich zur Markteintrittsstrategie noch nicht äußern.
In Europa verfügt Raisin eigenen Angaben zufolge über mehr als 200 B2B-Distributionskanäle. Darunter befinden sich Kooperationen mit großen Finanzkonzernen, etwa mit dem Versicherer Signal Iduna, den Volks- und Raiffeisenbanken, der Deutschen Bank und der Deutschen Kreditbank (DKB).
Kunden aus dem gehobenen Segment
Zahlen für einzelne Märkte gibt Raisin nicht bekannt. Insgesamt hat das Unternehmen nach eigenen Angaben über eine Million Retailkunden in elf Ländern, darunter auch in den USA. Der typische Kunde sei rund 45 bis 69 Jahre alt und dem gehobenen Vermögenssegment zuzuordnen. Durchschnittlich hat ein Kunde 80.000 Euro über die Plattform veranlagt.
In vielen Fällen würden die Kunden bei Raisin gezielt ihr Vermögen auf mehrere Banken bis zur EU-weit einheitlichen Einlagensicherungsgrenze von 100.000 Euro streuen, so Minehuber. Mit einem Raisin-Konto ist nur ein KYC-Prozess ("Know Your Customer") nötig, um Verträge mit mehreren Banken abzuschließen.
Nicht steuereinfach für Österreicher
Neben diesem vorteilhaften Aspekt müssen Kunden jedoch auch Nachteile bedenken. Wer über Raisin sein Geld bei einer der ausländischen Banken einlegt, bekommt zwar tendenziell höhere Zinsen (Österreichs Banken haben sich da in den vergangenen Jahren im EU-Vergleich oft als knausrig erwiesen), aber man hat keine automatische Steuerabfuhr an den österreichischen Fiskus wie bei inländischen Banken. Die Entrichtung der KESt müssen die Einleger selber über die Einkommensteuererklärung erledigen.
Raisin, das seit 2014 als "Weltsparen.de" bekannt war, hat diese Marke zugunsten eines einheitlichen globalen Auftritts eingestampft. Nicht einheitlich ist vorerst das Angebot, das Endkunden auf den einzelnen Raisin-Plattformen erhalten. In Deutschland ist das Angebot umfangreicher als in Österreich. Dort stehen Einlegern auch Anlagelösungen wie ETFs oder ein Kinderdepot offen. Für diese Produkte hat Raisin derzeit keine Österreich-Pläne, wie es heißt. (eml)













