Raiffeisen-Kunden bekommen einen Robo-Advisor mit Eigenheiten
Den rund 2,8 Millionen Kunden der Raiffeisen Bankengruppe Österreich steht künftig die Robo-Vermögensverwaltung des deutschen Riesen Scalable zur Verfügung. Allerdings fließen – anders als bei Scalable üblich – nicht nur ETFs ein, sondern auch eigene Fonds von RCM oder Kepler.
Die österreichische Raiffeisen-Bankengruppe kooperiert mit dem Münchener Robo-Advisor Scalable Capital und eröffnet ihren Kunden den Zugang zu einer kostengünstigen digitalen Vermögensverwaltung. Scalable hat die Plattform namens "Will" entwickelt und betreibt sie im Rahmen einer B2B-Whitelabel-Lösung für die nach Kundenanzahl größte Bankengruppe Österreichs, teilen die beiden Unternehmen mit.
Dabei unterscheidet sich der Raiffeisen-Robo deutlich von dem Angebot, das direkte Scalable-Kunden kennen: Im B2C-Bereich veranlagt der Robo nur in kostengünstige ETFs des Kooperationspartners Blackrock. Bei Will hingegen stehen offenbar aktiv gemanagte Fonds der Raiffeisen Capital Management (RCM) und der zu Raiffeisen Oberösterreich gehörenden Fondsgesellschaft Kepler an erster Stelle, während ETFs erst an zweiter Stelle genannt werden.
Ein Robo mit vielen Raiffeisen-Eigenheiten
Es wäre nicht Raiffeisen, wenn sich die Betonung der Eigenständigkeit der genossenschaftlichen Gruppenmitglieder nicht auch im Robo-Bereich niederschlagen würde: Wie FONDS professionell ONLINE erfuhr, steht zum Beispiel den Kunden aus Oberösterreich eine Kombination aus Kepler-Fonds plus ETFs zur Verfügung, während im Rest Österreichs den Kunden die Mischung RCM-Fonds plus ETFs angeboten wird.
Wie die Mischung aktiv/passiv ausfällt, kann nicht individuell bestimmt werden, sondern wird vom Fondsmanagement festgelegt. Damit trotz aktiv gemanagter Fonds das Argument geringer Kosten nicht flachfällt, werden für die Veranlagung auf Will die günstigeren institutionellen Tranchen hergenommen, erklärt Scalable-Geschäftsführer und Mitgründer Erik Podzuweit gegenüber FONDS professionell ONLINE.
Keine österreichweit einheitliche Fee
Auch bei den Kosten zeigt sich der Wille der Genossenschafter, bei den individuellen Bedingungen das Heft nicht aus der Hand zu geben: Wer über den Raiffeisen-Robo investiert, zahlt zwar grundsätzlich eine All-In-Fee. Wie hoch die ist, findet man online aber nicht. Der Grund: Niemand kann den einzelnen Genossenschaftsbanken vorschreiben, was sie verlangen. Daher gibt es regionale Unterschiede.
Der Preis wird vom System vorgegeben, kann also nicht mit dem einzelnen Berater verhandelt werden, wie man erfährt. Auf jeden Fall kann gesagt werden, dass die Kostenstruktur sehr günstig ist: Alles in allem (Vermögensverwaltung plus Produktkosten) fallen um die 1,2 Prozent an – im Mittel ungefähr ein Prozent, so Podzuweit.
Einstiegsschwelle 10.000 Euro
Das Konzept sieht vor, dass Kunden je nach Risikoprofil aus vier Portfolios auswählen können. Diese sind laut den Angaben alle nach gewissen Nachhaltigkeitskriterien zusammengestellt. Der Einstiegsbetrag liegt bei 10.000 Euro.
Interessant ist, dass Raiffeisenkunden das Angebot sowohl direkt im Onlinebanking nützen können als auch vor Ort in der Filiale. Damit schlägt das Unternehmen einen direkten Bogen zwischen Online und stationär.
Scalable dringt weiter ins Businesskunden-Geschäft vor
Für Scalable, das sich ursprünglich als kostengünstiger Alternativanbieter für Endanleger positioniert hat, ist die Kooperation ein weiterer Schritt in Richtung B2B. Ein logisches Manöver, denn angesichts der günstigen Kostenstruktur sind Robo-Anbieter stets darauf angewiesen, eine große Masse an Leuten zu gewinnen.
Scalable hat unter anderem bereits die Targobank und die Openbank unter Vertrag. Die Targobank ist eine der führenden Privatkundenbanken Deutschlands mit mehr als vier Millionen Kunden, die Openbank wiederum ist die Digitalbank der spanischen Santander-Gruppe, Europas zweitgrößter Bank nach Kundenzahlen. Zudem betreibt Scalable Capital unter anderem die digitale Vermögensverwaltungs-Plattformen für die ING Deutschland, für Siemens Private Finance und für Oskar, der digitalen Vermögensverwaltung für Familien. (eml)















