Die Raiffeisen KAG verzeichnet im Jahr 2020 einen Zuwachs beim verwalteten Vermögen um 4,7 Prozent und überschritt damit die Schwelle von 40 Milliarden Euro. CEO Rainer Schnabl hob im Rahmen einer Pressekonferenz unter anderem die Bedeutung von Fondssparplänen und Nachhaltigkeit als Wachstumstreiber hervor.

Per Ende Dezember waren die Produkte der Raiffeisen KAG in 385.000 Fondssparplänen vertreten. Das ist ein Wachstum von 37 Prozent zum Jahr davor. Jeden Monat fließen der KAG fast 55 Millionen Euro über Fondssparpläne zu. Vor allem jüngere Sparer schätzen diese Produkte, wo eine geringe Investitionssumme ab 50 Euro im Monat einbezahlt wird. In Kombination mit der Nachhaltigkeit könne man hier ganz neue Kundengruppen ansprechen, so Schnabl.

"Ein Fünftel wartet darauf, nachhaltige Angebote zu bekommen"
Das Potenzial für nachhaltige Produkte belegt eine Untersuchung, die die Raiffeisen KAG bei der Spectra-Marktforschung in Auftrag gegeben hat. Auf die Frage, in welchen Bereichen sie nachhaltiger leben möchten, nennen 22 Prozent der Österreicher die eigene Geldanlage. "Das heißt, ein Fünftel der Bevölkerung wartet nur darauf, die Gelegenheit zu bekommen, Geld nachhaltig zu veranlagen", so Spectra-Geschäftsführer Peter Bruckmüller. Hier stecke – ungeachtet der bereits hohen Steigerungen der vergangenen Jahre – viel Potenzial; besonders bei jungen Anlegern, die deutlich offener für Nachhaltige Finanzprodukte sind. Bei den bis 20-Jährigen sagt fast ein Drittel (31 Prozent), sie würden ihr Geld lieber noch nachhaltiger Anlegen. Bei den bis 39-Jährigen sind es 27 Prozent.

Meinungsforscher Brückmüller bemerkt, dass in den vergangenen Jahren das Bild von Nachhaltigkeit in der Gesellschaft immer ausgeprägter wurde. So gewinnen Soziale- und Governanceaspekte gegenüber der früheren Dominanz von Umweltbelangen an Bedeutung. 55 Prozent sagen, sie erwarten sich von einer nachhaltigen Geldanlage, dass nur in Unternehmen mit fairen Arbeitsbedingungen investiert wird. Erst dann kommen mit 53 Prozent Investitionen in Unternehmen, die umweltschonend handeln. ESG sei zwar oft nicht direkt in der Benennung aber als inhaltliche Erwartung sehr stark im Bewusstsein der Kunden verankert, so Bruckmüller.

Raiffeisen KAG: Plus 42 Prozent bei Nachhaltigkeit
Dementsprechend stark wird auch bei Raiffeisen die Umstellung der Fondspalette in Richtung ESG vorangetrieben: Ende 2020 verwaltete die Raiffeisen KAG 9,4 Milliarden Euro ESG-konform. Das ist ein Plus von gut 42 Prozent zum Jahr davor. Flaggschiff ist der Raiffeisen-Nachhaltigkeit-Mix, der laut den Angaben mit rund drei Milliarden Euro Volumen der größte Publikumsfonds Österreichs ist.

Wie viel Potenzial das Thema in den kommenden Jahren für die österreichischen Fondsgesellschaften noch birgt, zeigt auch das spontane Anspringen der Nachfrage nach ESG-Fonds in den CEE-Ländern. In diesen ist die Raiffeisengruppe, genauso wie andere österreichische Bankengruppen, stark vertreten. 2020 steigerte die Raiffeisen KAG in den Ländern wir Ungarn, Russland, Slowakei, Tschechien oder Kroatien ihr Nachhaltigkeitsvolumen um 155 Prozent. Wenngleich das Niveau niedrig ist (235 Millionen Euro in ESG-Fonds in CEE), ist die Zuversicht hoch. "Wir haben in der CEE-Region schon länger versucht, Nachhaltigkeitsfonds zu verkaufen, hatten aber keinen großen Erfolg damit. Im Vorjahr war wirklich ein Wendepunkt. Das wird jetzt auch in diesen Ländern in den Mainstream einfließen", sagt Michal Kustra, verantwortlicher Geschäftsführer der Raiffeisen KAG für die Auslandsmärkte.

Hohe Zuwächse auch in Italien
Sehenswert ist in diesem Zusammenhang auch die Entwicklung in Italien. Hier steigerte die KAG ihr Fondsvolumen im Vorjahr um 25 Prozent auf rund fünf Milliarden Euro – maßgeblich getrieben durch das Nachhaltigkeitsangebot. Die Produkte werden hier über Retailbanken, Privatbanken und Beraternetzwerke vertrieben. Die KAG befinde sich in Italien unter den Top drei Anbietern punkto ESG, so Kustra. Raiffeisen habe sich in Italien mittlerweile als Nachhaltigkeitsmarke positioniert. (eml)