Der Frankfurter Publity-Konzern kann seine Mehrheitsbeteiligung an der Büroimmobiliengesellschaft Preos nicht so schnell veräußern wie zunächst erhofft. Der potenzielle Käufer und die Publity hätten sich "vor dem Hintergrund der aktuell laufenden Arbeiten am Jahres- und Konzernabschluss der Preos" darauf verständigt, die Verhandlungen "auf den Zeitraum nach Vorlage der fertiggestellten und geprüften Abschlüsse für das Geschäftsjahr 2020 zu verschieben", wie das Unternehmen mitteilt.

Die Publity hatte Ende Januar publik gemacht, den Großteil ihrer Preos-Aktien noch im zweiten Quartal dieses Jahres an einen asiatischen Mischkonzern veräußern zu wollen. Damit hatte das Unternehmen, das früher auch als Emissionshaus für geschlossene Fonds aktiv war, viele Kleinaktionäre überrascht. Viele von ihnen waren erst in den Monaten davor im Zuge eines sehr ungewöhnlichen Deals bei dem Immobilienkonzern eingestiegen: Die Publity hatte ihnen Preos-Aktien aus dem eigenen Bestand mit 15 Prozent Rabatt auf den aktuellen Börsenkurs angedient, wenn sie sich Gegenzug dazu verpflichteten, die Wertpapiere mindestens ein Jahr lang zu halten. Als Zuträger dienten Tippgeber und Vermittler, die eine üppige Provision kassierten. Die Aktien wurden auch in Österreich vertrieben (FONDS professionell ONLINE berichtete ausführlich).

Tochterfirma muss wohl zu einem niedrigeren Wert bilanziert werden
Die Publity- und die Preos-Aktien verloren im April deutlich an Wert, nachdem bekannt geworden war, dass die deutsche Finanzaufsicht Bafin bei den Titeln Marktmanipulation vermutet und auch einen möglichen Insiderhandel untersucht. Zuvor hatte es schon schlechte Nachrichten in Bezug auf den Preos-Jahresabschluss für das Jahr 2020 gegeben: Im März musste die Gesellschaft einräumen, die Anteile an ihrer im vergangenen Jahr erworbenen Tochterfirma Gore aller Voraussicht nach nur zu einem deutlich geringeren Wert bilanzieren zu können als zunächst erwartet. Der nun veröffentlichten Mitteilung zufolge wird an diesem Zahlenwerk offensichtlich immer noch gearbeitet. Den Jahresabschluss für das Jahr 2019 hatte der Preos-Aufsichtsrat bereits im März des Folgejahres gebilligt.

Der Publity zufolge ist der geplante Verkauf der Preos-Mehrheit an den Großinvestor nur verschoben, nicht aber aufgehoben. "Beide Parteien haben (…) ihre fortbestehende Absicht bekundet, die Transaktion vorbehaltlich einer zufriedenstellenden Due Diligence und vertraglichen Dokumentation vollziehen zu wollen", heißt es in der Mitteilung. Der Vollzug der Transaktion werde nun "für das dritte oder vierte Quartal 2021 angestrebt". (bm)