Seit mehr als einem Jahr zittern zehntausende Anleger um ihr Geld, das sie in Container der P&R Gruppe investiert zu haben glaubten. In den Insolvenzverfahren wurde relativ schnell klar, dass die P&R-Gesellschaften nur einen Bruchteil des etwa 3,5 Milliarden Euro hohen Anlagevolumens zurückzahlen können. Zuletzt gab es noch ein wenig Hoffnung, beim Gründer und Vorstand Heinz R. eventuell nennenswerte Beträge zugunsten der Investoren sicherstellen zu können.

Der Unternehmenschef hat Ende 2018 selbst Privatinsolvenz angemeldet und ist mit Forderungen in Höhe von einer Milliarde Euro konfrontiert. Die höchsten Ansprüche haben die insolventen P&R-Gesellschaften gestellt, in die Anleger investiert hatten.

Der Insolvenzverwalter des P&R-Gründers stellte war Vermögenswerte sicher, die Gläubiger werden davon aber nicht viel haben. "Es ist weiterhin allenfalls eine marginale Quote zu erwarten", teilte Rechtsanwalt Miguel Grosser mit.

Schenkungen rückabgewickelt
Grosser berichtete kürzlich in der ersten Gläubigerversammlung, dass das Vermögen von Heinz R. vor allem aus Immobilien im Münchner Nobelviertel Grünwald, in Österreich und auf der Karibikinsel St. Barth bei den Kleinen Antillen besteht. Diese Liegenschaften werden nun sukzessive veräußert. Zu dem geschätzten Wert der Immobilien macht Grosser keine offiziellen Angaben. Er betonte aber in einer Aussendung, eine "vor der Insolvenz erfolgte Schenkung von wertvollen Grundstücken" rückgängig gemacht zu haben.

Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) zieht aus den Erkenntnissen den Schluss, dass es für P&R-Anleger wirtschaftlich nicht sinnvoll ist, gegen den Firmengründer vorzugehen. Es bestünden zwar eventuell Ansprüche auf Schadensersatz. Aber: "Die Hinzuziehung eines Rechtsanwalts für diese Forderungsanmeldungen ist möglicherweise mit hohen Kosten verbunden, die die Insolvenzquote in diesem Verfahren sogar deutlich übersteigen könnten."

Erste Prozesse gegen Vermittler gestartet
Vor diesem Hintergrund gehen zahlreiche Anleger gegen ihren Vermittler beziehungsweise Berater vor – und das zumindest teilweise mit Erfolg. Laut Rechtsanwalt Helge Petersen verurteilte das Landgericht Berlin kürzlich einen Finanzdienstleister zur Rückabwicklung eines P&R-Investments, weil dieser es seinem Kunden in einem Schreiben als krisensicher, rentierlich und überaus verlässlich angepriesen habe.

Klagen gegen den Vertrieb sind allerdings keine Selbstläufer, wie ein aktuelles Urteil des Oberlandesgerichts Naumburg zeigt. Es hat nach Angaben der Kanzlei Dr. Roller & Partner die Berufung einer Investorin zurückgewiesen, nachdem die Klage gegen den Vermittler in der ersten Instanz zurückgewiesen worden war. (ae)