Auf Michael Jaffé von der Münchner Kanzlei Jaffé Rechtsanwälte Insolvenzverwalter warten neue Aufgaben: Das Amtsgericht München hat mit Beschluss vom 29. Juni 2020 im vorläufigen Insolvenzverfahren über das Vermögen des Zahlungsabwicklers Wirecard einen vorläufigen Gläubigerausschuss eingesetzt. Dieser hat Jaffé in seiner konstituierenden Sitzung einstimmig als vorläufigen Insolvenzverwalter bestätigt, wie dessen Kanzlei mitteilt. 

Der renommierte Jurist wacht unter anderem auch über das Insolvenzverfahren des Container-Anbieters P&R, dessen aufsehenerregende Pleite zu den größten Finanzskandalen Deutschlands zählt. In einer mehrstündigen Sitzung des Wirecard-Gläubigerausschusses habe Jaffé einen ersten Bericht abgegeben, heißt es in der Pressemitteilung. Demnach haben sich bereits zahlreiche Investoren aus aller Welt gemeldet, die Interesse am Erwerb des Kerngeschäfts oder zumindest an verschiedenen Geschäftsbereichen von Wirecard haben. Der vorläufige Gläubigerausschuss habe daraufhin grünes Licht für die Mandatierung von spezialisierten Investmentbanken gegeben, die sich um den Verkauf der einzelnen Firmenteile kümmern sollen.

Auch Finanzinvestoren unter den Kaufinteressenten
Zu den Kaufinteressenten sollen unter anderem der französische Zahlungsabwickler Worldline und der dänische Konkurrent Nets gehören, wie das "Handelsblatt" erfahren hat. Die beiden Unternehmen hätten die Informationen allerdings nicht kommentieren wollen. Auch Finanzinvestoren sollen zu den Kaufinteressenten gehören, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

Vordringliches Ziel im vorläufigen Insolvenzverfahren ist es, den Geschäftsbetrieb der Konzerngesellschaften zu stabilisieren. Dies gilt sowohl für die Abwicklung von Kreditkartenzahlungen als auch für die weiteren Geschäftsbereiche, die davon unabhängig zu sehen sind. Dazu werden Gespräche mit Kunden, Handelspartnern und den Kreditkartenorganisationen geführt. Es könne jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass auch Insolvenzanträge für Tochtergesellschaften der Wirecard-Gruppe gestellt werden müssen, teilt Jaffés Kanzlei mit. Die Wirecard Bank ist weiterhin nicht insolvent, Auszahlungen an Händler und Kunden der Bank würden "ohne Einschränkungen ausgeführt". (am)