Vorbehaltlich der aufsichtsbehördlichen Genehmigung wird die Österreichische Post 80 Prozent an der Brüll Kallmus Bank, Teil der Grawe Bankengruppe, übernehmen. Das teilte die Post gestern Abend mit. Damit scheint endlich die drängende Frage nach der nötigen Banklizenz geklärt: Die bisherige Bankpartnerin Bawag PSK hat bekanntlich vorzeitig gekündigt und die Post wäre ab 2020 ohne Banklizenz dagestanden.

Ein überraschender Deal mit der deutschen Fintech Group Ende 2018 hätte die Post, die das Bank-Konzept unbedingt weiterführen will, aber keine eigene Banklizenz besitzt, auffangen sollen. Das Joint Venture scheiterte aber, und die Post geriet gehörig unter Druck, da eine eigene Banklizenz von der FMA in der Kürze nicht realistisch erschien. Der Kauf von Brüll Kallmus schaffe nun die rechtliche Basis für ein eigenständiges und flächendeckendes Finanzdienstleistungsangebot, heißt es in einer Aussendung der Post.

Post übernimmt Führung
Es soll ein Leistungsangebot unter unternehmerischer Führung der Post mit der Grawe Gruppe und weiteren Partnern aufgestellt werden, heißt es weiter. Es sei vorgesehen, dass die Österreichische Post im Zuge einer Kapitalerhöhung 80 Prozent an der Brüll Kallmus Bank AG, und damit die unternehmerische Führung erwirbt. Ein Eigentümerkontrollverfahren bei der Europäische Zentralbank (EZB) über die österreichische Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) wurde gestern eingeleitet. Vorbehaltlich einer aufsichtsbehördlichen Genehmigung wird die Österreichische Post danach im Zuge einer Kapitalerhöhung rund 56 Millionen Euro einbringen.

Das Netz der Post verfügt über 1.800 Geschäftsstellen an eigenbetriebenen Filialen und Post Partnern und wird nun mit dem dem Bank- und Versicherungs-Know-how der Grawe Gruppe kombiniert. Gemäß Planung sollen im Laufe des Jahres 2020 Finanzdienstleistungen angeboten werden. Ziel ist es, sowohl online als auch physisch präsent zu sein. Das Geschäftsmodell soll laut den Angaben "fokussiert und risikoavers" gestaltet sein und Dienstleistungen rund um Konto und Zahlungsverkehr enthalten und "Finanzdienstleistungen weiterer Partner werden das Produktportfolio abrunden". Details sollen später folgen. (eml)