Die Portfoliomanagement-Gesellschaft La Financière de L’Échiquier (LFDE), die am Pariser Parkett zu den bekannten Namen zählt, will sich auch hierzulande besser verankert wissen. In Österreich hat die 1991 gegründete LFDE, die insgesamt Assets im Wert von zehn Milliarden Euro verwaltet, nur Geschäft in sehr geringem Ausmaß. Das soll sich nun ändern, so John Korter, der vergangenen Herbst zum Country Manager für Deutschland und Österreich bestellt wurde. Er will das Marketing ankurbeln, wie er gegenüber FONDS professionell ONLINE sagte.

Punkten müsse man in Österreich vor allem bei den Pensionskassen. Auf die Fondslisten des Bankenvertriebs zu kommen, sei hierzulande äußerst schwierig, so Korter, der wie bereits andere vor ihm die Kreditinstitute kritisiert, die ihren Kunden immer häufiger die Produkte eigener Asset Manager anbieten. "Mifid II war meiner Meinung nach die Rechtfertigung für die Banken, dass sie nur noch ihre eigenen Asset Manager listen", so Korter. Er moniert auch, dass es sich die Banken grundsätzlich beim Vertrieb von nachhaltig ausgerichteten Investmentprodukten zu bequem machten. Nachhaltigkeit ist eine Kernkompetenz von LFDE. Der Bankvertrieb engagiere sich bei ausgewiesenen ESG-Strategien für Endanlegerprodukte zu wenig, obwohl das Interesse der Kunden da sei. Mit dieser Kritik ist er wohl nicht allein.

ESG-Pioniere
Generell zählen französische Asset Manager zu den Vorreitern bei Nachhaltigkeitsstrategien. Das liegt nicht zuletzt daran, dass das Thema staatlich gepusht wird; unter anderem mit einem eigenen staatlichen SRI-Siegel. Frankreich sei das einzige Land in Europa, das ein staatlich geprüftes SRI-Siegel (für generell sozial verantwortliches Investieren, nicht nur auf Umwelt fokussiert) habe, so Korter.

Zwei der LFDE-Fonds besitzen es: der Echiquier Positive Impact Europe und der Major SRI Growth Europe. Insgesamt vermarktet die aktienlastige LFDE in Österreich derzeit acht Fonds (sechs Aktien-, zwei Anleihen- bzw. Wandelanleihenfonds). "Österreich ist bezüglich Nachhaltigkeit ein sehr interessanter Markt für uns. Bei den Pensionskassen gibt es keine, die nicht deutlich auf Nachhaltigkeit drängt. Ich war wirklich positiv überrascht über die genauen Nachfragen der verantwortlichen Manager", so Korter.

LFDE wende offiziell methodisch seine hausinternen Nachhaltigkeitskriterien bereits seit zwölf Jahren an. Man lasse sich dahingehend auch von einem externen Prüfer bewerten, so Korter, der die zahlreichen "Greenwashing"-Aktivitäten in der Branche kritisiert. Investoren sollten unbedingt überprüfen, ob ein Asset Manager mit den Firmen, in die er investiert, tatsächlich spricht, oder ob es nur darum geht, dass man einen Index um gewisse Kriterien bereinigt.

Für LFDE hat sich in den vergangenen Monaten viel geändert. Die private Gesellschaft gab kürzlich die geplante Komplettübernahme durch die Primonial-Gruppe bekannt. Deren Vertriebswege sollen in Frankreich das Geschäft vorantreiben, so Korter. In Deutschland sei soeben eine eigene GmbH für das Third Party Management gegründet worden. In Österreich arbeitet LFDE seit kurzem mit dem Third Party Marketer dragonfly.finance zusammen, weitere Maßnahmen sollen folgen. (eml)