Private Credit liegt im Trend. Investoren halten immer öfter Ausschau nach Renditemöglichkeiten in diesem Segment, wo Geld an nicht börsengelistete Unternehmen verliehen wird. Und auch die Regulatoren fördern den Bereich, weil sie sich eine Ankurbelung der Wirtschaft erhoffen. Umgekehrt steigt bei den Aufsehern aber die Vorsicht. "Aufgrund der dynamischen Entwicklung" stehe diese Assetklasse unter Beobachtung, schreiben die Expertinnen und Experten der österreichischen Finanzmarktbehörde FMA im soeben veröffentlichten Bericht über das erste Quartal 2026 der Versicherungen.

Österreichs Assekuranzen haben demnach 0,46 Prozent der gesamten Kapitalveranlagung (rund 0,5 Milliarden Euro) in Private-Credit-Fonds investiert. Nicht eingerechnet sind hier fonds- und indexgebundene Versicherungen. Die direkte Exponierung österreichischer Versicherungsunternehmen gegenüber Private-Credit-Fonds sei zwar deutlich geringer als im EU-Schnitt, wo die EZB ein Exposure von 2,3 Prozent schätze.

Insgesamtes Exposure höher
Allerdings ist das Engagement viel höher, wenn man verwandte Veranlagungen mit Private-Credit-Charakter einkalkuliert. Etwa direkt vergebene Darlehen und strukturierte Produkte. Dann ergibt sich ein Gesamtvolumen von sechs Prozent (6,5 Milliarden Euro). Wobei zu erwähnen ist, dass davon laut FMA wiederum ein wesentlicher Teil auf gruppeninterne Darlehen entfällt.

Ein weiterer Grund für die besondere Vorsicht sind Insolvenzen im US-Markt mit hoher Privatkreditgeberbeteiligung – prominent zum Beispiel der Autoteilehersteller First Brands Group oder der Autohändler und -kreditgeber Tricolor Holdings. Deswegen stehe die Anlageklasse Private Credit verstärkt im Fokus der europäischen Aufsicht, heißt es bei der FMA.

Anleihenlasten 
Einen Blick wirft die FMA zudem auf die Entwicklung der "stillen Reserven". Aus den Tief- und Nullzinszeiten bis Mitte 2022 haben die Versicherer eine Menge an gering verzinsten Anleihen in den Portfolios, die wegen des Zinsanstiegs nun einen unattraktiven Kupon haben beziehungsweise umgekehrt Kursabschläge aufweisen. Solange die Anleihen nicht verkauft werden müssen, sind die Abschläge rein auf dem Papier. Momentan sitzen die Versicherungen auf Reserven, nicht auf Lasten.

In Summe seien die stillen Reserven positiv und stiegen netto um 7,5 Prozent über den Vorjahreswert. "Da die Nettoerträge der Kapitalanlagen über der Garantieverzinsung der Lebensversicherung liegen, ist kurzfristig nicht zu erwarten, dass stille Lasten realisiert werden müssen", heißt es. Die FMA beobachte die (derzeit stabilen) Stornoraten, um allfällige Liquiditätsrisiken zu identifizieren.

Prämienplus
Insgesamt verzeichnen die österreichischen Versicherungsunternehmen im ersten Quartal 3,5 Prozent Prämienwachstum. Die Solvenzquote liegt laut FMA mit 303,6 Prozent deutlich über den regulatorischen Anforderungen. "Das höhere Zinsumfeld unterstützt diese Entwicklung ebenso wie positive Kapitalmarktentwicklungen", heißt es. Gestiegene Beteiligungswerte und stabile Credit-Spreads würden sich positiv auswirken und die höhere Schadenbelastung (Combined Ratio: 98,8 Prozent) kompensieren. (eml)