Die niedrigen Private-Equity-Investments in Österreich seien ein Problem für die von Klein- und Mittelunternehmen (KMU) geprägte Wirtschaft, sagt Ulrich Kallausch, Miteigentümer von Pure Investments. Der 2025 gegründete Finanzinvestor erwirbt sanierungsbedürftige oder insolvente Industrie- und Produktionsunternehmen mit je höchstens 20 Millionen Euro Umsatz. Ziel ist, sie innerhalb von drei bis fünf Jahren zu restrukturieren und zu verkaufen.

"Kleine Unternehmen haben es momentan besonders schwer, in Krisen von den Banken weiterfinanziert zu werden", so Kallausch, der als einstiger Vorstand bei Sal. Oppenheim und Deutsche Bank Österreich sowie als Semper-Constantia-Miteigentümer selbst langgedienter Bankenprofi ist. Auf den Kreditinstituten laste ein hoher aufsichtsrechtlicher Druck, ihre Kapitalquoten zu stärken. Im Zweifel würden sie daher bei unternehmerischen Notlagen häufiger die Finanzierung beenden und Kredite abschreiben. "Das Versprechen, 'die Bank geht mit dir durch die Krise', stimmt so nicht mehr", sagt er.

Kein Zugang zu ausländischem Kapital
Alternativen zum Bankkredit seien schwer zugänglich. "Ausländische Kapitalgeber interessieren sich nicht für kleinere Unternehmen", so Kallausch. Und typische institutionelle Investoren wie Versicherungen oder Pensionskassen, die in anderen Ländern signifikant in Private Equity investieren, tragen in Österreich nur begrenzt bei. "Wir sprechen kaum mehr mit großen Institutionellen wie Versicherungen", sagt Kallausch, dessen Investmentfirma beim Einstieg in notleidende Unternehmen auch Co-Finanzierungen anstrebt.

Zunehmendes Interesse würden dagegen semi-institutionellen Investoren zeigen. "Family Offices sind smarter geworden. Früher haben sie die Illiquidität bei Private-Equity-Veranlagungen skeptisch gesehen, jetzt schätzen sie die Möglichkeit, stabile Cashflows zu generieren", so Kallausch.

Überdurchschnittliche Abhängigkeit von Bankkrediten
Dass der Mangel an privatem Beteiligungskapital in Österreich zu einer übermäßigen Abhängigkeit von Bankkrediten führt, bestätigen auch die Zahlen der Nationalbank (OeNB). Bankkredite machten 2023 20,9 Prozent der Unternehmensvermögen aus – mehr als in jedem anderen EU-Land. Im EU-Durchschnitt sind es nur 9,9 Prozent.

Kallausch vermisst den politischen Willen, den Zugang von KMU zu Eigen- oder Risikokapital zu verbessern. Neben der gesetzlichen Unterstützung fehle ein konstruktiver Investmentdiskurs. Investoren würden zu oft als Heuschrecken dargestellt. "Die Politik soll endlich sagen, dass wir Private-Equity-Unternehmen brauchen, die mit ihrem Eigenkapital hineingehen", fordert er.

Keine einzige Mittelstandsfinanzierungsgesellschaft
Belege, dass die Politik bisher nicht die richtigen Mittel für eine stärkere Kapitalmarktfinanzierung der Wirtschaft gefunden hat, gibt es viele. Ein Beispiel ist das Mittelstandsfinanzierungsgesellschaftengesetz (MiFiGG): Die letzte Reform im Jahr 2017 bereitete der schon zuvor unbedeutenden Gesellschaftsform offenbar das komplette Ende. Das Finanzministerium teilte der Redaktion mit, dass "es seither (…) keine Unternehmen gibt, die die Voraussetzungen für Mittelstandsfinanzierungsgesellschaften erfüllen".

Nicht umgesetzt wurde auch die Österreich-SICAV, eine Société d’Investissement à Capital Variable. Über diese Rechtsform wird in Luxemburg, Frankreich, Deutschland und anderen Ländern seit Langem Wagniskapital eingesammelt. Statt der 2021 unter dem Eindruck der Corona-Pandemie wieder aufgewärmten SICAV-Idee beschloss Österreich am Ende das Wagniskapitalfondsgesetz (WKFG), das ebenfalls keine Gründungen auslöste.

"Förster nach dem Waldbrand"
Den Heuschreckenvorwurf weist Kallausch für sein Investmentunternehmen zurück. Pure Investments wolle natürlich Rendite sehen, betrachte sich aber eher als "Förster nach dem Waldbrand". Man saniere vereinfacht gesagt Unternehmen mit eigenem Kapital, eigenen Leuten und eigener Expertise im Umkreis von 200 Kilometern, da gehe es auch um den Erhalt regionaler Wirtschaftsstrukturen, Jobs und Know-how vor Ort.

Das aktuelle Portfolio gibt einen Eindruck davon, um welche lokalen Nischenkompetenzen es geht: Aufgefangen wurden bisher der Industrieofenbauer Hofmann, der Zanderproduzent Böhmerwald Fisch, beide aus dem Mühlviertel, und der Weinpressenhersteller Wottle aus Poysdorf im Weinviertel.

Schwer ersetzbare Kompetenzen
Wie schnell gute kleinere Unternehmen unter Druck geraten können, sehe man bei Hofmann. Die Industrieöfen werden in der Automobilindustrie, Luft- und Raumfahrt, in Rüstungsbetrieben oder in Chemieunternehmen benötigt. Wegen der hohen Spezialisierung sei der Hersteller für Industriekunden im Grunde schwer ersetzbar. Er schlitterte aber als Langzeitfolge der wirtschaftlichen Verwerfungen nach Corona und dem Ukraine-Krieg in die Insolvenz.

Man habe nach dem Konkurs Auftragszusagen der Industrie eingeholt und mit Banken verhandelt. "Innerhalb eines halben Jahres sind wir mit 25 Leuten aus der Altmannschaft auf positivem Weg und werden aus jetziger Sicht 2026 mit um die fünf Millionen Umsatz und einem Ergebnis nach Steuern von vier- bis fünfhunderttausend Euro abschließen", prognostiziert Kallausch.

Rendite mit Fisch
Auch Böhmerwald Fisch aus Ulrichsberg nahe der deutschen und tschechischen Grenze sei auf Erfolgskurs. Pure Investments senkte nach der Schieflage kräftig die Kosten und stellte ausschließlich auf die Produktion von Zander um, der hierzulande überwiegend importiert wird. Die Fokussierung ging laut Kallausch rasch auf. Böhmerwald Fisch sei Österreichs einzige Indoor-Aquakulturanlage für hochwertigen Zander und arbeite ohne Antibiotika. Neben dem Handel beziehen rund 150 Köche der Top-Gastronomie den raren Fisch. Die Kapazität von 100 Tonnen jährlich ermöglicht es ihnen, den Austro-Zander dauerhaft auf die Speisekarte zu setzen. "Wir erwarten ab heuer zwei Millionen Euro Umsatz pro Jahr und gehen davon aus, dass wir die erste Indoorfischzucht in Österreich werden, deren Modell wirtschaftlich funktioniert", so Kallausch.

Voraussetzung für ein Investment sei ein gesunder Kern und ein Alleinstellungsmerkmal. Beides habe auch der 1923 gegründete Traditionsbetrieb Wottle, Österreichs letzter Weinpressenhersteller, mitgebracht. Pure Investments strich unrentable Geschäftsfelder, erschloss Molkereien und Pharmaunternehmen als neue Kundengruppen und baut gerade den Vertrieb in Zentral- und Osteuropa aus.

Nachahmer und Co-Investoren erwünscht
Das derzeit achtköpfige Team um die Teilhaber Kallausch, Stefan Pölzl, Nikolaus Kretz und Thomas Pleli könne höchstens vier Beteiligungen gleichzeitig betreuen. Damit wäre vorerst nur noch Platz für ein weiteres Investment im Portfolio. "Es braucht mehr Firmen wie uns, die Kapital in kleine Unternehmen stecken", betont Kallausch.

Pure Investments arbeitet dabei selbst an der Erweiterung des Kapitalgeberkreises: Teil der Strategie ist es, externe Investoren hereinzunehmen, sobald ein Unternehmen die Profitabilitätsschwelle erreicht hat. Diese Geldgeber wären bei einem erfolgreichen Exit wohl eher bereit, zukünftig bei Insolvenzen eine Co-Finanzierung mit Pure Investments zu tätigen. (eml)