Vor rund vier Jahren, als sich eine immer breitere Masse von "Durchschnittsanlegern" für Bitcoin, Ethereum oder andere virtuelle Coins zu interessieren begann, galt die traditionelle Bankverbindung als größter Knackpunkt. Viele Kreditinstitute wollten von digitalen Assets nichts wissen – wer damals mit Kryptowährungs-Experten sprach, hörte, dass Kunden mitunter gekündigt wurde, auch wenn sie nur geringe Beträge von einer Coin-Börse auf das Konto transferierten oder umgekehrt.

Mittlerweile sind Kryptowährungen eng in die EU-Geldwäschevorgaben einbezogen, eigene Steuergesetze wurden ausgearbeitet, und es existieren große seriöse Anbieter, die von Finanzmarktaufsichten überwacht werden. Um das Problem ist es zuletzt ruhiger geworden. Ein Bericht der Tageszeitung "Der Standard" zeigt auf, dass die Schwierigkeiten nach wie vor bestehen.

Drohung und Streichung
Versuche, legal erzielte Gewinne von einer Kryptobörse auf das Konto zu überweisen, oder umgekehrt, Geld zu einem Kryptobroker zu transferieren, münden demnach häufig weiterhin in der Drohung, dass die Geschäftsbeziehung beendet wird. Einer Raiffeisenkundin, die der Bank aktiv eine Transaktion auf das eigene Konto ankündigte, sei mitgeteilt worden, dass von Überweisungen von Kryptoplattformen generell Abstand zu nehmen sei, berichtet die Zeitung. Einem Geschäftsmann wiederum, der von seine Konto weg überweisen wollte, wurde bei der Erste Bank eine Kündigung angedroht. Darüber hinaus sei bei seinen Geschäftskonten der Überziehungsrahmen gestrichen worden.

Die Banken betonen hingegen, dass sie sich an die strengen Vorgaben der Finanzmarktaufsicht (FMA) halten müssen. Michael Huber, Pressesprecher der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich verweist in dem Bericht darauf, dass die im Jahr 2021 vom Finanzministerium veröffentlichte nationale Risikoanalyse die Bedrohung, dass virtuelle Währungen für Geldwäscherei missbraucht werden, mit einem hohen Risiko einstufe.

Unterlagen schon vorab bereitstellen
Die RLB OÖ rät demnach den Anlegern, "alle Unterlagen und Dokumente sorgfältig aufzubewahren, damit bei allfälligen Rückfragen der Nachweis der Wertsteigerung beziehungsweise die Herkunft der eingesetzten Mittel erbracht werden kann." Bei der Erste Bank lautet die Empfehlung, dass Informationen und Dokumente bereits vor Durchführung von Transaktionen mit Bezug zu Kryptowährungen übermittelt werden sollten.

Demgegenüber steht die Erfahrung Betroffener und deren Anwälte. Sie monieren laut der Zeitung, dass es selbst bei einer lückenlosen Dokumentation in der Praxis oft Monate dauere, bis Transaktionen freigegeben sind.

Schwierigkeiten bei ausländischen Börsen
Probleme entstehen insbesondere dann, wenn Anleger über ausländische Börsen handeln. Eric Demuth, CEO der österreichischen Kryptowährungsplattform Bitpanda betonte gegenüber der Zeitung, dass man die nötigen FMA-Berechtigungen besitze und es daher bei innerstaatlichen Überweisungen selten zu Schwierigkeiten komme. Auch werde bei Raiffeisen "in der Praxis" nichts blockiert – bei der oben genannten Ablehnung handelte es sich laut Bericht um eine Transaktion von Bitpanda. Man habe mit Pantos (einer Technologie zur Vernetzung verschiedener Blockchains) sogar ein gemeinsames Krypto-Projekt mit der Raiffeisen Bank International (RBI).

Deutlich geht aus dem Bericht der Druck durch die FMA hervor. Banken seien nicht verpflichtet, Kundenbeziehungen zu halten. Auch sei die Einbeziehung von Kryptoassets in die Besteuerung kein Grund, die Sorgfaltspflichten zu lockern. (eml)