Der Skandal um die Greensill Bank sorgte diese Woche für eine menge Aufregung. Das Unternehmen war erfolgreich geworden, indem es ausstehende Kundenforderungen von Lieferanten an Investoren weiterverkaufte. Gleichzeitig sammelte die Bank über diverse Zinsvergleichsportale eifrig Geld von Sparern ein. Wegen drohender Überschuldung hatte die Bafin Mitte der Woche ein Veräußerungs- und Zahlungsverbot erlassen und den Kundenverkehr einstellen lassen. Der Skandal könnte Investoren generell vom Sektor der Lieferketten-Finanzierung abschrecken. Dabei gewinnt die Branche gerade jetzt an Relevanz, sagt Ökonom Erik Hofmann gegenüber der "Neue Züricher Zeitung".

Der Fall Greensill ereigne sich zu einer Unzeit. "Es bahnt sich eine der größten Wirtschaftskrisen seit dem Zweiten Weltkrieg an, die Liquiditätslage vieler Unternehmen wird sich eher verschlechtern als verbessern, wenn in absehbarer Zeit die staatlichen Schutzschirme und Rettungspakete auslaufen", sagt Hofmann. Instrumente wie die Lieferketten-Finanzierung seien von großer Bedeutung, um die Wirtschaft mit ausreichender Liquidität zu versorgen. "Der Fall Greensill könnte Investoren leider davor abschrecken, in dieses wichtige Segment zu investieren", befürchtet Hofmann. 

Schwer zu durchschauen 
Schon vor den Greensill-Skandal hatte die Branche mit dem Vorwurf der Intransparenz zu kämpfen. "Die Rating-Agenturen bemängeln durchaus zu Recht, dass Unternehmen nicht offenlegen müssen, ob und in welchem Umfang sie ihre Rechnungen an einen Reverse-Factoring-Anbieter wie Greensill weitergeben und so ihre Zahlungsfristen ausdehnen", schildert Hofmann gegenüber der Zeitung. Der Branche fehle es an einem klaren Regelwerk, auch in Bezug auf ethische Fragen. (fp)