Die Meinl Bank wurde Opfer eines Betrugsversuchs. Sie hat alte Mobiltelefone mit potenziell sensiblen Daten von Kunden und Vorständen möglicherweise nicht fachgerecht entsorgt, das soll Betrüger auf den Plan gerufen haben, die von der Bank 1,5 Millionen Euro forderten. Von diesem Plot berichtet die Rechercheplattform Addendum. Die Staatsanwaltschaft Wien bestätigt gegenüber FONDS professionell ONLINE, dass wegen schweren Betrugs ermittelt wurde; am 7. November soll es nun zu einem Prozess kommen. Aussagen muss dabei dem Bericht zufolge auch der Lobbyist Alfons Mensdorff-Pouilly, dem eine Vermittlerrolle zukommt.

Laut dem Bericht hatte die Meinl Bank AG vor rund einem Jahr 70 – angeblich zurückgesetzte – alte Diensthandys der "Reststoffverwertung" zuführen wollen. Was die Bank konkret unter diesem Begriff vorgesehen hatte, geht nicht hervor, die Handys seien jedenfalls über einen als Chauffeur tätigen Bank-Mitarbeiter an den nun mitangeklagten Käufer Karim A. gelangt, der für die alten Geräte 170 Euro bezahlt haben soll.

Bank sollte Handys zurückkaufen
Weil A. Schwierigkeiten hatte, die Handys am Markt loszuwerden, plante er demnach, die Geräte der Bank teuer zurückzuverkaufen – unter dem Hinweis auf die darauf befindlichen sensiblen Daten. Allerdings wollte A. selbst nicht in Erscheinung treten, daher wandte er sich an den ebenfalls Angeklagten Karl V., der wiederum die Erst- und den Zweitangeklagten von dem Plan überzeugt haben soll: Wolfgang H. und Gerald W., Chefs der National Security Austria, NSA – einer der angeblich größten Sicherheits-Firmen des Landes. Die Abkürzungsgleichheit mit dem US-Auslandsgeheimdienst National Security Agency ist nicht das einzige Detail, das dem Fall noch eine besondere Note verleihen sollte.

Wolfgang H. und Gerald W., die nun mit Karim A. und Karl V. auf der Anklagebank sitzen, sollen anfangs vereinbart haben, dass sie von der Meinl Bank 200.000 Euro verlangen; inkludiert sollten da anscheinend auch Beratungsleistungen für die Bank sein. Im Gespräch mit Meinl-Bank-Vertretern habe, so der Bericht, einer der NSA-Chefs jedoch plötzlich 1,5 Millionen Euro gefordert. Aus der Anklageschrift sei ersichtlich, dass es eine Drohung gab, wonach die Daten ansonsten an einen Prozessfinanzierer weitergegeben werden sollten. Alle Angeklagten bestreiten laut Addendum die Vorwürfe. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Mensdorf-Pouilly übermittelte Fotos
Um die Absichten zu unterstreichen, seien Fotos von Handys und technisch relevanten Nummern an die Bank übermittelt worden – und zwar von einem persönlichen Boten: Alfred Mensdorff-Pouilly. Der Lobbyist tauchte bereits in einigen Gerichtsprozessen auf und wurde rund um die Vergabe des Blaulicht-Funknetzes "Tetron" zu Haft verurteilt. Mensdorff-Pouilly sei laut der Anklage zwischen Oktober 2017 und August 2018 bei der NSA angestellt gewesen: Offenbar sei dem Adeligen geraten worden, dass er mit einer Anstellung leichter Fußfesseln bekommt, so Addendum. Tatsächlich konnte er die Tetron-Verurteilung im Hausarrest verbüßen. Mensdorff-Pouilly soll nun als Zeuge aussagen.

Nachdem die NSA-Chefs bei einem Treffen in einem Wiener Café 1,5 Millionen Euro gefordert hatten, erstattete die Meinl Bank Anzeige wegen schwerer Erpressung. Wenig später führte die Staatsanwaltschaft dann die Ermittlungen ausschließlich wegen schweren Betrugs, wie eine Sprecherin auf Nachfrage bestätigte. Die mögliche Auslesung von Handy-Daten wurde dabei nicht mehr näher untersucht, schreibt Addendum. Die Plattform stellt aber die Frage in den Raum, warum die Angeklagten plötzlich mit dem Selbstbewusstsein auftraten, statt 200.000 Euro 1,5 Millionen zu fordern. Die NSA-Vorstände geben laut dem Bericht an, dass sie gar nicht in der Lage seien, solche Daten auszulesen. Sie gehen davon aus, dass die Bank selbst Interesse hatte, die Handys wieder zurückzubekommen. Nun müssen die Richter entscheiden. Die Meinl Bank gab bisher gegenüber FONDS professionell ONLINE keine Antwort. (eml)