Norwegens Staatsfonds: KI erkennt Risiken vor dem Markt
Der größte Staatsfonds der Welt setzt bei Risikoanalyse und Portfoliosteuerung zunehmend auf künstliche Intelligenz. Laut NBIM erkennt die Technologie problematische Engagements schneller als Medien oder Datenanbieter – und verschafft dem Fonds damit einen Vorsprung.
Norwegens Staatsfonds zeigt sich beeindruckt von künstlicher Intelligenz (KI). Seit er die Technologie zur Steuerung seines Portfolios einsetzt, entdeckt sie Risiken, die Medien und externe Datenanbieter übersehen. Genau diese übersehenen Risiken verschaffen dem Fonds nach eigenen Angaben einen Vorsprung.
Mit einem Portfolio von 2,2 Billionen Dollar ist der Investor der größte Staatsfonds der Welt. Er wirbt seit Langem offensiv für den Einsatz von KI in seinen Abläufen, und Vorstandschef Nicolai Tangen hat seine Begeisterung früh deutlich gemacht. Am Donnerstag (26.2.) legte der Fonds ein Update zu seiner Strategie für verantwortliches Investieren vor – und verwies darin ausdrücklich auf die Wirkung von KI.
Risiken binnen 24 Stunden markiert
"Innerhalb von 24 Stunden nach unserer Investition kennzeichnen die KI-Tools neue Unternehmen im Aktienportfolio des Fonds mit potenziellen Verbindungen etwa zu Zwangsarbeit, Korruption oder Betrug", erklärte der Fonds. Diese Kennzeichnung betreffe genau jene Risiken, die andernorts unentdeckt bleiben. "Oft sind diese Informationen weder in der internationalen Medienberichterstattung noch in Warnhinweisen von Datenanbietern erfasst."
Ist die KI-Analyse abgeschlossen, folgt stets eine menschliche Prüfung. "Wir überprüfen die Informationen immer, bevor wir eine Investitions- oder Risikoentscheidung treffen", hieß es. Dies habe sich ausgezahlt. "In mehreren Fällen haben wir diese Anlagen identifiziert und verkauft, bevor der breitere Markt auf die Risiken reagierte – und so potenzielle Verluste vermieden."
KI als Karrierekriterium
Tangen, früher Hedgefonds-Manager, erklärte im vergangenen Jahr, er sei "wie ein Verrückter" herumgelaufen, um die Mitarbeiter zur Nutzung der Technologie zu bewegen. Diese Nutzung habe er zur Frage der Karriere gemacht. Mitarbeiter, die KI meiden, "werden niemals befördert". Der Fonds will mit KI die Entscheidungsfindung verbessern und die Investmentprozesse teamübergreifend stärken. Am Ende soll die Technologie helfen, Gewinner und Verlierer unter den Unternehmen früher zu erkennen.
Neue Anwendungsfälle entstehen fortlaufend. Man finde "zunehmend neue Einsatzmöglichkeiten für KI in unserem Portfolio-Risikomanagement", sagte ein Sprecher vor der Veröffentlichung des Berichts am Donnerstag. Ein Schwerpunkt liege auf der Analyse der finanzierten Emissionen. "Wir prüfen Möglichkeiten, KI zu nutzen, um unsere Attributionsanalyse zur Erklärung von Veränderungen bei den vom Fonds finanzierten Emissionen zu stärken. Aber wir haben sie noch nicht für die Analyse von Klimaszenarien eingesetzt."
Kein Stellenabbau geplant
Inzwischen nutzen alle Mitarbeiter KI-Tools, darunter unter anderem Claude von Anthropic, wie ein Sprecher am Donnerstag (26.2.) sagte. Trotz dieser umfassenden Einführung plane der Fonds keinen Stellenabbau, fügte er hinzu.
Der in den frühen 1990er Jahren gegründete Fonds NBIM investiert nach einem Referenzindex, den Norwegens Finanzministerium festlegt. Er begrenzt den Spielraum für aktive Entscheidungen. Das Portfolio umfasst Aktien, Anleihen, Immobilien und Infrastruktur für erneuerbare Energien – ausschließlich außerhalb Norwegens. (mb/Bloomberg)













