Mit der auf Krypto-Gutscheinkarten spezialisierten Cryptonow GmbH hat die Finanzmarktaufsicht Österreich (FMA) zum dritten Mal eine EU-weit gültige Erlaubnis für digitale Assets ausgestellt. "Erst" könnte man mit kritischem Blick auf andere Länder sagen.

So hat das weit kleinere Malta laut Statistik der europäischen Marktaufsicht ESMA bereits acht dieser Zulassungen ausgestellt, die gemäß der EU-MiCA-Verordnung (Markets in Crypto Asset Regulation) seit rund zehn Monaten möglich sind. Allein zwei kamen in den vergangenen vier Wochen dazu.

ESMA-Rüge an Malta
Andere Aufsichten betrachten die Häufung mit Vorbehalten. Diesen Sommer erteilte bereits die ESMA Malta eine Rüge, nachdem die Behörde bei den MiCAR-Lizenzen des Landes erhebliche Mängel festgestellt hat: Wesentliche Fragen blieben vor der Zulassung offen und die maltesische Risikobewertung hatte ebenfalls Schwächen.

Am deutlichsten meldete sich bis jetzt die französische Finanzmarktaufsicht AMF (Autorité des Marchés Financiers) zu Wort. Im September schloss die AMF-Vorsitzende Marie-Anne Barbat-Layani gegenüber "Reuters" nicht aus, den EU-Pass für bestimmte Unternehmen mit MiCAR-Lizenz zu verweigern. Auch wenn das rechtlich kompliziert und kein gutes Signal für den Binnenmarkt sei.

FMA verweist auf gemeinsamen Brief
Die FMA in Wien gibt sich auf Nachfrage zurückhaltend. Momentan stelle sich die Frage nicht. Man habe den Standpunkt in der Stellungnahme vom September klar gemacht, sagte ein Sprecher. Gemeinsam mit der AMF und der italienischen CONSOB hat die FMA die ESMA zu Nachschärfungen aufgefordert. Unter anderem sollen wichtige Kryptounternehmen zentral beaufsichtigt werden (die Redaktion berichtete).

Wer bei einer nationalen Aufsicht eine Zulassung als sogenannter "CASP" (Crypto Asset Service Provider) erhält, kann damit EU-weit Dienstleistungen rund um Krypto-Assets anbieten. Die Zahl der Lizenzen steigt gerade rasant: Allein seit Mitte September von 58 auf 70 in der EU (Zahlen ESMA). 

Erste Schweizer Firma
In Österreich gibt es mit Bitpanda, Bybit und nun Cryptonow drei "CASP"-Anbieter.  Die Cryptonow GmbH ist überhaupt die erste Anbieterin mit Schweizer Eigentümer, die eine "CASP"-Lizenz erhält. Davor hatte zwar eine Tochter der Zürcher Crypto Finance AG in Deutschland grünes Licht erhalten; sie gehört aber zur Deutschen-Börse-Gruppe. 

Cryptonow ist die Österreich-Tochter der zur Värdex Suisse AG gehörenden Cryptonow-Gruppe, die seit 2017 Gutscheinkarten für Kryptowerte anbietet. Diese werden in rund 4.500 Schweizer Geschäften wie Drogerien und Supermärkten oder in Onlineshops verkauft.

Guthabenkarten ab Dezember in Österreich und Deutschland
Im Dezember will Cryptonow mit den Karten im stationären Handel in Österreich, Deutschland, den Niederlanden, Frankreich, Belgien und Italien starten. Dann schrittweise in der gesamten EU, hieß es aus dem Unternehmen auf Nachfrage.

Dabei bleibt es nicht. Wie so viele Anbieter von digitalen Finanzdienstleistungen gehen auch die Schweizer ins Brokerage. Über die Plattform Cryptonow Invest sollen direkte Kryptoinvestments angeboten werden, heißt es. (eml)